Fischbestände
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Dornhai auf dem Neuseelandschelf

gültig 12/2010 - 06/2011

Ökoregion:
Neuseeland-Schelf
Fanggebiet:
Neuseeland FAO 81
Art:
Squalus acanthias

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Arbeitsgruppen im Auftrag des Ministeriums für Fischerei, Neuseeland, http://fs.fish.govt.nz

Methode, Frequenz

Das Ministerium für Fischerei, Neuseeland veröffentlicht jährlich einen Report mit den Ergebnissen der Bestandsberechnungen. Es werden regelmäßig Forschungsreisen durchgeführt, bei denen auch die Häufigkeit von Dornhai erfasst wird. Die resultierenden Ergebnisse geben nur die relative Entwicklung der Biomasse wieder. Zudem werden einige Gebiete nur sporadisch bzw. gar nicht mehr abgedeckt. Es gibt daher zurzeit nur für wenige Gebiete Biomassewerte und keine Information über den Zustand der Bestände. Es sind keine Referenzwerte festgelegt. [137] [138] [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, März 2011]

Wesentliche Punkte

2009/2010: Dornhai wird in Neuseeland seit 2004 über das Quotenmanagementsystem (QMS) bewirtschaftet. Die Anlandungen lagen im Fischereijahr 2009/2010 weit unter den festgelegten Höchstfangmengen. [137] [138]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (large)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (large)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

? (small)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Die Anlandungen von Dornhai schwankten in den 1980er bis in die frühen 1990er Jahre zwischen etwa 3.000 und 6.000 t. Von da an stiegen sie und erreichten die höchsten Werte in den Fischereijahren 1997/98 und 2001/02. Seit dem letzten Höchstwert schwanken die Anlandungen nun zwischen 4.500 und 9.000 t. Neuseeland verzeichnete steigende Fangzahlen nachdem die Bestände im Nordost- und später im Nordwestatlantik zusammenbrachen. Um die steigende Entnahme zu kontrollieren, wurde Dornhai im Oktober 2004 komplett in das Quotenmanagementsystem (QMS) aufgenommen, zuvor war die Fischerei nur in einigen Managementgebieten über Höchstfangmengen (TACs) reguliert (seit 1992/93).
Die aus den Forschungsfahrten gewonnen Biomassewerte ergeben für drei der vier fischereilich relevanten Quotenmanagementgebiete (QMAs) unterschiedliche Entwicklungen: SPD4 zeigt einen fast stetigen Anstieg der Biomasse, SPD7 weist die höchsten Zahlen der Zeitreihe auf, SPD3 nimmt im Moment ab, liegt aber noch über dem Mittelwert der Zeitserie. SPD5 wurde 1996 zuletzt beprobt. [137] [138]

Ausblick

Ein Ausblick ist derzeit wegen des Fehlens vollständiger Informationen zu Biomasse und Bestandszustand nicht möglich.

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse auf den Bestand bekannt.

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Das Management erfolgt durch das Ministerium für Fischerei, Neuseeland, und in bestimmten Teilgebieten in Kooperation mit der Urbevölkerung (Maori). Deren Recht, eine nicht-kommerzielle Fischerei zur Versorgung von Familie und Gästen selbst zu managen, wird in verschiedenen Regularien festgelegt.
Die neuseeländische AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) ist in 10 Fischereimanagementgebiete (FMAs) unterteilt. Diese dienen der Verwaltung und sind Grundlage für die Quotenmanagementgebiete (QMAs), welche in der Regel bestandsspezifisch sind. Bei Dornhai handelt es sich jedoch eher um Verbreitungsgebiete und nicht zwingend um einzelne Bestände. Das Fischereijahr umfasst den Zeitraum 1. Oktober bis 30. September. Die Regulierung der gesamten Dornhaifischerei erfolgt seit 2004 über das Quotenmanagementsystem (QMS). Es gibt einen TAC (erlaubte Höchstfangemenge), welcher die Gesamtentnahme eines Bestandes durch kommerzielle Fischerei, traditionelle Fischerei (Maori Customary Fisheries), Freizeitfischerei und weitere Quellen fischereilicher Sterblichkeit beinhaltet. Der TACC ist die erlaubte kommerzielle Höchstfangmenge nach Abzug aller anderen Entnahmen. TACC bzw. TAC basieren auf Fang- und Surveydaten sowie auf allgemeinen biologischen Kenntnissen und nicht auf aktuellen Bestandsdaten. Es wird aber jährlich überprüft, ob diese Höchstfangmengen noch adäquat sind. Für Dornhai sind sieben QMAs festgelegt (SPD1, 3, 4, 5, 7, 8, 10). Die Regulierung der Fischerei erfolgt außerdem durch Gebietsschließungen, u.a. um empfindliche Lebensräume und Tiefseekorallen zu schützen. [137] [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, Dez. 2010 und März 2011]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Es gibt keine wissenschaftlichen Fangempfehlungen. Die gesetzlichen kommerziellen Höchstfangmengen (TACC) sind seit Aufnahme in das Quotenmanagementsystem unverändert, werden aber nicht ausgefischt. Es ist nicht bekannt, ob die TACCs nachhaltig sind, sie werden aber jährlich auf Übereinstimmung mit den aktuellen Kenntnissen über die Bestandssituation hin überprüft. [138] [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, März 2011]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Dornhai kommt um die gesamte Südinsel vor. Vor der Nordinsel erstreckt sich seine Verbreitung an der Westküste bis Manakau Harbour und im Osten bis zum East Cape. SPD1 und 8 weisen nur geringe Anlandungen auf, SPD 10 ist überwiegend Schutzgebiet ohne kommerzielle Fänge. Die Struktur und Anzahl der Bestände in diesem Gebiet ist unklar. Die Quotenmanagmentgebiete spiegeln eher die Verbreitung als Bestandsgrenzen wieder. SPD7 und 8 sind möglicherweise ein Bestand. [138] [persönliche Mitteilung, NZ Ministerium für Fischerei, Dez. 2010]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2009/2010: SPD1: 0,13 t; SPD3: 1,86 t; SPD4: 0,67 t; SPD5: 2,21 t; SPD7: 1,12 t; SPD8: 0,19 t; Total: 6,17 t; davon in SPD 5: 63% Grundschleppnetz, 19% pelagisches Schleppnetz, 12% Stellnetz, 6% Langleine
TACs und TACCs TAC (seit Fischereijahr 2004/2005): 13,28, davon: 
Traditionelle Fischerei: 0,245
Freizeitfischerei: 0,245
Andere Sterblichkeiten: 0,130
TACC: 12,66 (SPD1: 0,33  SPD3: 4,79   SPD4: 1,63  SPD5: 3,70  
SPD7: 1,90  SPD8: 0,31) [138] [139]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai auf dem Neuseelandschelf. Die Höchstfangmengen für diesen Bestand werden nicht ausgefischt und der kommerzielle Wert ist gering. [177] [138]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Dornhai wird überwiegend als Beifang in verschiedenen Fischereien mit unterschiedlichen Zielarten gefangen: In der Tiefseefischerei auf z.B. Makrelenartige, Hoki und Tintenfische, in der küstennahen Fischerei auf Plattfische, Knurrhähne und Snapper mit Schleppnetzen, Stellnetzen und Langleinen. Neben der kommerziellen Fischerei wird Dornhai in der Freizeitfischerei gefangen. Die Fangzahlen sind nicht verlässlich, es handelt sich aber offenbar um weniger als 10% des Gesamtfanges. In der Maori-Fischerei wurde traditionell viel Hai gefangen, aktuelle Zahlen über Dornhaifänge sind aus dieser Fischerei aber nicht verfügbar. [138] [140]

Beifänge und Rückwürfe

Die meisten küstennahen Fischereien sind aufgrund von Bearbeitungsproblemen (Dornen, raue Haut) und geringem ökonomischem Wert nicht besonders an der Anlandung von Dornhai interessiert. Eine große Menge Dornhai wird daher wahrscheinlich auf See zurückgeworfen und nicht als Beifang gemeldet. Steigende Rückwurfzahlen, vor allem in den 1990ern, sind aber wahrscheinlich auf Änderungen im Meldesystem zurückzuführen und reflektieren nicht wirklich steigende Mengen.
In der Freizeitfischerei wird Dornhai im gesamten Verbreitungsgebiet überwiegend als Beifang gefangen. Zielarten sind hier meist andere Fischarten. [138] [137]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In Stellnetzen können sich Vögel und Meeressäuger, wie z.B. Delfine und Pelzrobben verfangen und ertrinken. Die Gefahren von Stellnetzen für die Gesamtpopulationen sind nicht bekannt. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [178] [137]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Bei Fängen aus den nördlichen Gebieten handelt es sich wahrscheinlich um den nördlichen Dornhai (S. mitsukurii), zumindest um eine unbekannte Menge dieser anderen Art. [138]

Zusätzliche Informationen

Der Dornhai um Neuseeland gehört zur austral-asiatischen Teilpopulation die von der IUCN als nicht gefährdet (LC) eingestuft ist.
Dornhai wird nach Australien, Asien und Europa exportiert. In Australien und Neuseeland wird er für „Fisch und Chips“ verwendet. Aufgrund ihres teilweise massenhaften Auftretens betrachten die neuseeländischen Fischer Dornhaie oft als erhebliche Beeinträchtigung für ihre Tätigkeit. Die Fische gehen an Köder, fressen Fänge an und verwickeln oder verstopfen Netze. [137] [138] [11] [179]

Zertifizierte Fischereien

Es ist keine Dornhaifischerei um Neuseeland nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischerei ist traditionell die Quelle für Lebensunterhalt sowie ökonomischen und kulturellen Wohlstand der verschiedenen Stämme. Familie und Gäste mit Fisch und Meeresfrüchten versorgen zu können, ist Teil des kulturellen Erbes der Urbevölkerung. Das Recht auf Ausübung der dafür notwendigen Fischerei und ein teilweise eigenständiges Management wird daher in verschiedenen Regularien festgehalten. [137] [138]

Literaturquellen Dornhai auf dem Neuseelandschelf

  Autor Jahr Titel Quelle
[11] IUCN 2010 IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1, International Union for Conservation of Nature. Downloaded on 16 July 2010 iucnredlist.org
[13] BLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Referat 523
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[137] The Ministry of Fisheries, New Zealand 2010 Homepage des Ministeriums für Fischerei, Neuseeland http://fs.fish.govt.nz/
[138] The Ministry of Fisheries, New Zealand 2010 2010 Plenary Report: Spiny dogfish (SPD)(Squalus acanthias) fish.govt.nz
[139] Manning MJ 2009 Updated relative abundance indices and catch-at-length estimates for spiny dogfish (Squalus acanthias) in SPD 3 and 5 to the end of the 2005–06 fishing year. New Zealand Fisheries Assessment Report 2009/61 fish.govt.nz
[140] Manning MJ, Hanchet SM, Stevenson ML 2004 A description and analysis of New Zealand's spiny dogfish (Squalus acanthias) fisheries and recommendations on appropriate methods to monitor the status of the stocks. New Zealand Fisheries Assessment Report 2004/61 fish.govt.nz
[177] Lack M, Sant G 2008 Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[178] FAO Food and Agriculture Organization 2005 FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011]. fao.org
[179] Anonymus 2009 CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010 CITES.org