Fischbestände
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Dornhai im Nordostpazifik, äußerer Bestand

gültig 01/2011 - 04/2012

Ökoregion:
Golf von Alaska, Kalifornienstrom, Östliche Beringsee
Fanggebiet:
Nordostpazifik: Kanada, Nordostpazifik: USA FAO 67
Art:
Squalus suckleyi

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Fisheries and Oceans Canada (DFO), http://www.dfo-mpo.gc.ca/ (Centre for Scientific Advice (CSA), Pacific Region); North Pacific Fishery Management Council, (NPFMC), http://www.fakr.noaa.gov/npfmc/

Methode, Frequenz

Der äußere Dornhai-Bestand im Nordostpazifik ist von Alaska (USA) bis zur Baja California (Mexico) verbreitet. Der Schwerpunkt des Verbreitungsgebietes liegt in kanadischen Gewässern, daher sind Daten zur kanadischen Komponente Hauptteil dieser Bestandsinformation. Aufgrund des Wanderverhaltens kommt es teilweise zum Austausch mit den angrenzenden US-Gebieten. Der Zustand der kanadischen Komponente spiegelt daher den der US-Komponente (speziell vor Washington State) wieder. Vor Alaska ist Dornhai in der Beringsee und den Aleuten selten, etwas häufiger im Golf von Alaska. Er hat hier keine fischereiliche Bedeutung, es wird jedoch eine Begutachtung der Haibestände durchgeführt, die auch Schätzungen von Biomasse und Rückwürfen von Dornhaien liefert.
2010 fand die erste Begutachtung der Dornhai-Bestände in kanadischen Gewässern des Nordostpazifiks seit 1987 statt. Die Bestandsberechnung von 1987 und die daraus resultierenden Fangempfehlungen basierten auf einem Populationsmodell von 1979/80. In der aktuellen Begutachtung gibt es keine Bestandsberechnung und keine wissenschaftliche Fangempfehlung. Es sind jedoch Biomasseinformationen aus einzelnen wissenschaftlichen Forschungsreisen verfügbar. Referenzwerte sind nicht definiert. Tote Rückwürfe gehen in die Bestimmung der jährlichen Entnahme ein, ihre Menge ist jedoch unsicher. [161] [165] [171] [172]

Wesentliche Punkte

2010: Kanada: Es wird keine Gefährdung für diesen Bestand angenommen. Aufgrund von Unsicherheiten in der aktuellen Begutachtung gelten die gegebenen Empfehlungen jedoch maximal 5 Jahre. In diesem Zeitraum soll eine vollständige Begutachtung des Bestandes stattfinden. [165]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (large)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (large)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

? (small)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Die kommerzielle Fischerei auf Dornhai begann in British Columbia in den 1870er Jahren. Es gab hohe Anlandungen, wenn ein Produkt auf dem Markt verlangt wurde, gefolgt von geringer Nutzung des Bestandes, wenn das Produkt später durch andere ersetzt wurde. 1937 bis 1950 stiegen die Fänge stark an, als Dornhaileber für die Produktion von Vitamin-A eine gefragte Ware wurde. Maximale Fänge (Anlandungen und Rückwürfe) wurden 1944 erreicht. Seit Ende der 1970er Jahre wird Dornhai vor allem für den menschlichen Verzehr gefangen. Der Bestand wird in seiner Gesamtheit als stabil betrachtet. In einigen Gebieten (Hecate Strait) wird eine Abnahme von großen Tieren beobachtet. [161] [165]

Ausblick

Kanada: Basierend auf dem aktuellen Bestandsstatus und bei gleichbleibender Nutzung ist es laut aktueller Begutachtung unwahrscheinlich, dass der Bestand im Laufe der nächsten fünf Jahre maßgeblich dezimiert wird. [165]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse bekannt. Es ist jedoch eine Saisonalität in den Aufenthaltsorten zu erkennen: Dieser Bestand bevorzugt tiefere Gebiete im Winter und flachere im Sommer. [161]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Im kanadischen Teil des Nordostpazifiks ist die DFO (Fisheries and Oceans Canada, Pacific Region) für das Fischereimanagement von Dornhai zuständig. Dornhai wird mit anderen Grundfischen im Rahmen eines integrierten Managementplanes bewirtschaftet. In dem Plan werden kommerzielle Fischerei, Freizeitfischerei und die Fischerei der Ureinwohner für Nahrung, soziale und zeremonielle Zwecke geregelt. Die Bewirtschaftung erfolgt über eine jährliche Höchstfangmenge (TAC). Der TAC für den äußeren Bestand basiert auf der Bestandsberechnung von 1987. Die festgelegte Höchstfangmenge wurde seitdem von 15.000 auf 12.000 t reduziert. Das Fischereijahr beginnt am 21. Februar. Die Fischerei wird unter anderem über Logbücher und Kontrollen auf See und im Hafen kontrolliert. Die meisten Langleinenfischer haben Systeme zum elektronischen Monitoring (vor allem Kameras) an Bord.
In den USA ist der National Marine Fisheries Service (NMFS, NOAA) (in der Ausschließlichen Wirtschaftszone, 3-200 sm) sowie die einzelnen Bundesstaaten (in Küstengewässern, 0-3 sm) für das Management zuständig. Dornhai wird im Rahmen verschiedener Grundfisch-Managementpläne bewirtschaftet, die im Einklang mit dem Magnuson-Stevens-Act stehen müssen. In Alaska wurde der Status der Haie im Managementplan von „andere Arten“ zu „Zielart“ geändert, um ein besseres Management zu ermöglichen. In dem gemeinsamen Plan der Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien werden Anlandungen pro Fangreise und die Anzahl der Reisen reglementiert. Die erlaubten Fangmengen basieren auf historischen Fangdaten. [161] [165] [163] [164] [173]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Kanada: Für diesen Bestand wird keine wissenschaftliche Fangempfehlung gegeben, die erlaubte Höchstfangmenge beträgt noch immer 12.000 t. Die tatsächlichen Anlandungen aus diesem Gebiet liegen weit darunter. [165]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Das Verbreitungsgebiet des äußeren Bestandes reicht entlang der Nordamerikanischen Küste von Alaska bis zur Baja California (Mexiko). Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in kanadischen Gewässern. Das Management erfolgt getrennt durch die USA und Kanada. [165]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2009/10: Kanada 3,2; davon 78% Angeln & Langleinen, 22% Schleppnetze
TAC (Kanada) 2008/09: 12,0   2009/10: 12,0   2010/11: 12,0   2011/12: 12,0  
[158] [165] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai im Nordostpazifik. Die Höchstfangmengen für diesen Bestand werden nicht annähernd ausgefischt. [177]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Kanada: Die Fischerei findet hauptsächlich vor der Südwestküste von Vancouver Island statt. Hauptfanggerät sind Angeln und Langleinen, einen kleineren Anteil machen Schleppnetze aus.
USA, Alaska: Es gibt keine gerichtete Fischerei auf Dornhai, er ist Beifang in der Schleppnetz- und Langleinen-Fischerei. [165] [161]

Beifänge und Rückwürfe

Kanada: Daten über jährliche Rückwurfmengen sind für die Schleppnetzfischerei ab 1996 und für die Langleinenfischerei ab 2001 verfügbar. Die prozentuale Sterblichkeit der Rückwürfe wird anhand von Raten berechnet, die im Managementplan festgelegt sind und von der Größe des Fanges und der Schleppzeit abhängen. Die so errechneten Mengen werden zu den Anlandungen addiert, um die gesamte jährliche Entnahme zu erhalten. Die Menge der Rückwürfe ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt und man geht davon aus, das die Rückwurfmenge und somit die gesamte Sterblichkeit unterschätzt ist. USA, Alaska: Dornhai ist Beifang in der Fischerei auf Heilbutt und Pazifischen Kabeljau und wird meist nicht angelandet. Die Menge variiert, und ist auch auf Grund der unterschiedlichen Bestandsgröße im Golf von Alaska höher als in der Beringsee und um die Aleuten. [161] [165] [171] [172]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Kanada: Die eingesetzten Langleinen liegen auf dem Grund (demersal longlining). Von 1999-2004 konnten in der Dornhaifischerei mit Langleinen nur sechs Seevögelbeifänge nachgewiesen werden. Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden, die Schleppnetzfischerei macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Fischerei auf diese Art aus.
USA, Alaska: Es gibt keine gerichtete Fischerei, daher auch keinen spezifischen Einfluss auf die Umwelt. [30] [168]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Aktuelle Untersuchungen ordnen den Dornhai im Nordostpazifik taxonomisch neu ein. Es handelt sich um eine eigene Art, Squalus suckleyi, die sich von Squalus acanthias morphologisch und molekularbiologisch unterscheidet.
Die Kanadischen Gewässer sind das Hauptverbreitungsgebiet von Dornhai im Nordostpazifik. Sie konzentrieren sich hier besonders in der Strait of Georgia, westlich von Vancouver Island und in der Hecate Strait. Dornhaie des äußeren Bestandes zeigen deutliche Wanderungen sowohl entlang der Küste als auch in Richtung der Küste bis in die Strait of Georgia. [161] [170]

Zusätzliche Informationen

Der Dornhai im Nordostpazifik wird von der IUCN als gefährdet (VU) eingestuft.
Dornhaie sind langlebige, langsam wachsende Tiere, die spät geschlechtsreif werden, lange Tragezeiten von etwa zwei Jahren und nur wenige Nachkommen haben. Dadurch entsteht eine direkte Beziehung zwischen Anzahl erwachsener Weibchen und Nachwuchsproduktion, was sie besonders anfällig für Überfischung macht. Dornhaie sind Top-Prädatoren, die sich opportunistisch ernähren, das heißt sie fressen was zur Verfügung steht. Kleinere Tiere fressen vor allem Krebse, größere meistens Fisch. Gefressen werden Dornhaie wiederum von verschiedenen größeren Knochenfischen und anderen Haien. [161] [165] [11] [179]

Zertifizierte Fischereien

Eine Dornhaifischerei im Nordostpazifik (Strait of Georgia und äußerer Bestand) ist seit September 2011 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) zertifiziert. [4] Siehe
http://www.msc.org/track-a-fishery/certified/pacific/british-columbia-spiny-dogfish

Soziale Aspekte

Dornhai wird in British Columbia seit 1870 kommerziell genutzt. Das Öl wurde in der Industrie als Schmiermittel, als Lampenöl und Vitamin A Lieferant genutzt. Das Fleisch wurde zu Dünger verarbeitet, ging in die Fischmehlproduktion und in den Verzehr, Flossen gingen in den internationalen Handel. Heute bedient die kommerzielle Fischerei vor allem den europäischen Markt. Dornhai findet in Deutschland Verwendung als Schillerlocken und Seeaal, in England findet man ihn in Fisch und Chips. Weitere Teile, wie z.B. Knorpel, werden zu Lebensmittelzusätzen weiterverarbeitet, andere gehen in die Düngemittelproduktion. Die Flossen werden gefrostet nach Asien exportiert. Aufgrund des stellenweise massenhaften Vorkommens und dadurch entstehender Probleme in der kommerziellen Fischerei wurde aktiv versucht, die Populationen zu dezimieren oder sogar auszurotten. Aus diesem Grund bestand auch lange Zeit kein Interesse an einer nachhaltigen Bewirtschaftung. [14] [161]

Literaturquellen Dornhai im Nordostpazifik, äußerer Bestand

  Autor Jahr Titel Quelle
[4] Marine Stewardship Council (MSC) Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei msc.org
[11] IUCN 2010 IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1, International Union for Conservation of Nature. Downloaded on 16 July 2010 iucnredlist.org
[13] BLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Referat 523
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[158] Fisheries and Oceans Canada, DFO Homepage: Fisheries and Oceans Canada DFO-Kanada
[161] Wallace SS, McFarlane GA, Campana SE, King JR 2009 28. Status of Spiny Dogfish in Atlantic and Pacific Canada Galucci VF, MCFarlane GA, Bargmann GG Herausgeber, Biology and Management of Dogfish Sharks, American Fisheries Society, Bethesda Maryland, 313-334
[163] Fisheries and Oceans Canada, DFO 2010 Pacific Region, Integrated Fisheries Management Plan, Groundfish www-ops2.pac
[164] Pacific Fishery Management Council, USA 2008 Pacific Coast Groundfish Fishery Management Plan www.pcouncil.org
[165] Fisheries and Oceans Canada, DFO 2010 Assessment of Spiny Dogfish (Squalus acanthias) in British Columbia in 2010 www.dfo-mpo
[168] Fisheries and Oceans Canada (DFO) 2007 National Plan of Action for Reducing the Incidental Catch of Seabirds in Longline Fisheries DFO-Kanada
[170] Ebert DA, White WT, Goldman KJ, Compagno LJV, Daly-Engel TS, Ward R 2010 Resurrection and redescription of Squalus suckleyi (Girard, 1854) from the North Pacific, with comments on the Squalus acanthias subgroup (Squaliformes: Squalidae) Zootaxa 2612:22-40
[171] Tribuzio CA, Echave K, Rodgveller C, Heifetz J, Goldman KJ 2010 Chapter 18b: Assessment of the sharks in the Bering Sea and Aleutian Islands afsc.noaa
[172] Tribuzio CA, Echave K, Rodgveller C, Heifetz J, Goldman KJ 2010 Chapter 18b: Assessment of the sharks in the Gulf of Alaska afsc.noaa
[173] North Pacific Fishery Management Council 2010 Fishery management plan for Groundfish of the Gulf of Alaska alaskafisheries
[177] Lack M, Sant G 2008 Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[179] Anonymus 2009 CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010 CITES.org