Fischbestände
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Dornhai in der Strait of Georgia

gültig 01/2011 - 04/2012

Ökoregion:
Golf von Alaska
Fanggebiet:
Nordostpazifik: Kanada FAO 67
Art:
Squalus suckleyi

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Fisheries and Oceans Canada (DFO), http://www.dfo-mpo.gc.ca/ (Centre for Scientific Advice (CSA), Pacific Region)

Methode, Frequenz

2010 fand die erste Begutachtung der Dornhai-Bestände in kanadischen Gewässern des Nordostpazifiks seit 1987 statt. Die Bestandsberechnung von 1987 und die daraus resultierenden Fangempfehlungen basierten auf einem Populationsmodell von 1979/80. In der aktuellen Begutachtung gibt es keine Bestandsberechnung und keine modellbasierte Fangempfehlung. Die wissenschaftliche Empfehlung für den Bestand in der Strait of Georgia basiert vor allem auf den mittleren Fischereidaten, außerdem gehen Trends aus Forschungsreisen und Expertenmeinungen ein. Die aktuelle Empfehlung ist der Mittelwert der Fänge 1978–2009, also seit Beginn der modernen Dornhai-Fischerei für die menschliche Ernährung. Eine Fischerei in diesem Rahmen hat den Bestand über einen langen Zeitraum nicht dezimiert und die Empfehlung entspricht somit den DFO-Vorgaben für die Bewirtschaftung von Beständen ohne Referenzwerte. Tote Rückwürfe gehen in die jährliche Entnahme ein, ihre Menge ist jedoch unsicher. [158] [161] [165]

Wesentliche Punkte

2010: Es wird keine Gefährdung für diesen Bestand angenommen. Aufgrund von Unsicherheiten in der aktuellen Begutachtung gelten die gegebenen Empfehlungen jedoch maximal 5 Jahre. In diesem Zeitraum soll eine vollständige Begutachtung des Bestandes stattfinden. [165]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (large)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (large)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

? (small)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Die kommerzielle Fischerei auf Dornhai begann in British Columbia in den 1870er Jahren. Es gab hohe Anlandungen, wenn ein Produkt auf dem Markt verlangt wurde, gefolgt von geringer Nutzung des Bestandes wenn das Produkt später durch andere ersetzt wurde. 1937 bis 1950 stiegen die Fänge stark an, als die Dornhaileber für die Produktion von Vitamin-A eine gefragte Ware wurde. Maximale Fänge für diesen Bestand (Anlandungen und Rückwürfe) wurden 1944 mit etwa 13.000 t erreicht. Seit Ende der 1970er Jahre wird Dornhai vor allem für den menschlichen Verzehr gefangen. Der Bestand wird als stabil betrachtet. [161] [165]

Ausblick

Basierend auf dem aktuellen Bestandsstatus und bei gleichbleibender Nutzung ist es laut aktueller Begutachtung unwahrscheinlich, dass der Bestand im Laufe der nächsten fünf Jahre maßgeblich dezimiert wird. [165]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Es sind keine spezifischen Umwelteinflüsse bekannt. Es ist jedoch eine Saisonalität in den Aufenthaltsorten zu erkennen: Dieser Bestand bevorzugt tiefere Gebiete im Winter und flachere im Sommer. [161]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Im kanadischen Teil des Nordostpazifiks ist die DFO (Fisheries and Oceans Canada, Pacific Region) für das Fischereimanagement von Dornhai zuständig. Dornhai wird mit anderen Grundfischen im Rahmen eines integrierten Managementplanes bewirtschaftet (groundfish integrated fish management plan). In dem Plan werden kommerzielle Fischerei, Freizeitfischerei und die Fischerei der Ureinwohner für Nahrung, soziale und zeremonielle Zwecke geregelt. Die Bewirtschaftung erfolgt über eine jährliche Höchstfangmenge (TAC). Der TAC für den Bestand in der Strait of Georgia basiert auf der Bestandsberechnung von 1987. Nach einigen Schwankungen entsprach der TAC wieder dem historischen Wert von 3.000 t und wurde für das aktuelle Fischereijahr auf 2.000 t reduziert. Das Fischereijahr beginnt am 21. Februar. Die Fischerei wird unter anderem über Logbücher und Kontrollen auf See und im Hafen kontrolliert. Die meisten Langleinenfischer haben Systeme zum elektronischen Monitoring (vor allem Kameras) an Bord. [161] [165] [163] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für den Bestand in der Strait of Georgia wird eine wissenschaftliche Fangempfehlung von 1.579 t gegeben, die erlaubte Höchstfangmenge wurde für 2011/12 jedoch auf 2.000 t festgesetzt. Die tatsächlichen Anlandungen aus diesem Gebiet lagen seit dem Jahr 2000 im Schnitt nur bei etwa 1.000 t und haben den empfohlenen Wert nur in einem Jahr leicht überschritten. [165] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Der Bestand ist in der Strait of Georgia zwischen dem Kanadischen Festland und Vancouver Island verbreitet. Verbreitungs- und Managementgebiet stimmen überein. [161] [165]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2009/10: 0,47; davon 79% Angeln & Langleinen, 21% Schleppnetze
TACs 2008/09: 3,0    2009/10: 3,0    2010/11: 3,0    2011/12: 2,0  
[158] [165] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai im Nordostpazifik. Die Höchstfangmengen für diesen Bestand werden nicht annähernd ausgefischt. [177]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Hauptfanggerät sind Angeln und Langleinen, einen kleineren Anteil machen Schleppnetzte aus. [165] [161]

Beifänge und Rückwürfe

Daten über jährliche Rückwurfmengen sind für die Schleppnetzfischerei ab 1996 und für die Langleinenfischerei ab 2001 verfügbar. Die prozentuale Sterblichkeit der Rückwürfe wird anhand von Raten berechnet, die im Managementplan festgelegt sind und von der Größe des Fanges und der Schleppzeit abhängen. Die so errechneten Mengen werden zu den Anlandungen addiert, um die gesamte jährliche Entnahme zu erhalten. Die Menge der Rückwürfe ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt und man geht davon aus, das die Rückwurfmenge und somit die gesamte Sterblichkeit unterschätzt ist. [161] [165]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die eingesetzten Langleinen liegen auf dem Grund (demersal longlining). Von 1999-2004 konnten in der Dornhaifischerei mit Langleinen nur sechs beigefangene Seevögel nachgewiesen werden. Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen kann der Meeresboden geschädigt werden, die Schleppnetzfischerei macht jedoch nur einen kleinen Anteil der Fischerei auf diese Art aus. [30] [168]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Aktuelle Untersuchungen ordnen den Dornhai im Nordostpazifik taxonomisch neu ein. Es handelt sich um eine eigene Art, Squalus suckleyi, die sich von Squalus acanthias morphologisch und molekularbiologisch unterscheidet.
Die kanadischen Gewässer sind das Hauptverbreitungsgebiet von Dornhai im Nordostpazifik. Sie konzentrieren sich hier besonders in der Strait of Georgia, westlich von Vancouver Island und in der Hecate Strait. Markierungsexperimente haben gezeigt, dass Dornhaie aus der Strait of Georgia dieses halb geschlossene Gebiet selten verlassen und sich kaum mit den Tieren im nahen Pudget Sound (USA) mischen. Daher werden zwei getrennte „innere“ Bestände angenommen. Dornhaie des äußereren Bestandes zeigen hingegen deutliche Wanderungen sowohl entlang der Küste, als auch in Richtung der Küste bis in die Strait of Georgia. [161] [170]

Zusätzliche Informationen

Der Dornhai im Nordostpazifik wird von der IUCN als gefährdet (VU) eingestuft.
Dornhaie sind langlebige, langsam wachsende Tiere, die spät geschlechtsreif werden, lange Tragezeiten von etwa zwei Jahren und nur wenige Nachkommen haben. Dadurch entsteht eine direkte Beziehung zwischen Anzahl erwachsener Weibchen und Nachwuchsproduktion, was sie besonders anfällig für Überfischung macht. Dornhaie sind Top-Prädatoren, die sich opportunistisch ernähren, das heißt sie fressen was zur Verfügung steht. Kleinere Tiere fressen vor allem Krebse, größere meistens Fisch. Gefressen werden Dornhaie wiederum von verschiedenen größeren Knochenfischen und anderen Haien. [161] [165] [11] [179]

Zertifizierte Fischereien

Eine Dornhaifischerei im Nordostpazifik (Strait of Georgia und äußerer Bestand) ist seit September 2011 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) zertifiziert. [4] Siehe
http://www.msc.org/track-a-fishery/certified/pacific/british-columbia-spiny-dogfish

Soziale Aspekte

Dornhai wird in British Columbia seit 1870 kommerziell genutzt. Das Öl wurde in der Industrie als Schmiermittel, als Lampenöl und Vitamin A Lieferant genutzt. Das Fleisch wurde zu Dünger verarbeitet, ging in die Fischmehlproduktion und in den Verzehr, Flossen gingen in den internationalen Handel. Heute bedient die kommerzielle Fischerei vor allem den europäischen Markt. Dornhai findet in Deutschland Verwendung als Schillerlocken und Seeaal, in England findet man ihn in Fisch und Chips. Weitere Teile, wie z.B. Knorpel, werden zu Lebensmittelzusätzen weiterverarbeitet, andere gehen in die Düngemittelproduktion. Die Flossen werden gefrostet nach Asien exportiert. Aufgrund des stellenweise massenhaften Vorkommens und dadurch entstehender Probleme in der kommerziellen Fischerei wurde aktiv versucht die Populationen zu dezimieren oder sogar auszurotten. Aus diesem Grund bestand auch lange Zeit kein Interesse an einer nachhaltigen Bewirtschaftung. [14] [161]

Literaturquellen Dornhai in der Strait of Georgia

  Autor Jahr Titel Quelle
[4] Marine Stewardship Council (MSC) Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei msc.org
[11] IUCN 2010 IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.1, International Union for Conservation of Nature. Downloaded on 16 July 2010 iucnredlist.org
[13] BLE Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Referat 523
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[158] Fisheries and Oceans Canada, DFO Homepage: Fisheries and Oceans Canada DFO-Kanada
[161] Wallace SS, McFarlane GA, Campana SE, King JR 2009 28. Status of Spiny Dogfish in Atlantic and Pacific Canada Galucci VF, MCFarlane GA, Bargmann GG Herausgeber, Biology and Management of Dogfish Sharks, American Fisheries Society, Bethesda Maryland, 313-334
[163] Fisheries and Oceans Canada, DFO 2010 Pacific Region, Integrated Fisheries Management Plan, Groundfish www-ops2.pac
[165] Fisheries and Oceans Canada, DFO 2010 Assessment of Spiny Dogfish (Squalus acanthias) in British Columbia in 2010 www.dfo-mpo
[168] Fisheries and Oceans Canada (DFO) 2007 National Plan of Action for Reducing the Incidental Catch of Seabirds in Longline Fisheries DFO-Kanada
[170] Ebert DA, White WT, Goldman KJ, Compagno LJV, Daly-Engel TS, Ward R 2010 Resurrection and redescription of Squalus suckleyi (Girard, 1854) from the North Pacific, with comments on the Squalus acanthias subgroup (Squaliformes: Squalidae) Zootaxa 2612:22-40
[177] Lack M, Sant G 2008 Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[179] Anonymus 2009 CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010 CITES.org