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Fischbestände
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Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee tief

gültig 03/2014 - 06/2014

Ökoregion:
Ostgrönlandschelf, Islandschelf, Färöer-Plateau
Fanggebiet:
Kanada FAO 21; Island (Va), ozeanischer Nordostatlantik (XII), südöstl. Grönland (XIV) FAO 27
Art:
Sebastes mentella

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es wird keine analytische Bestandsberechnung durchgeführt und es gibt keine Referenzwerte, da die Daten zu den Fängen der kommerziellen Fischerei, zur Nachwuchsproduktion und aus wissenschaftlichen Forschungsreisen dafür unzureichend sind. Insbesondere die vertikale Auflösung der Daten ist nicht hoch genug, um sie hinreichend genau auf die Bestände („tief“ und „flach“) aufteilen zu können. Es können daher auch keine Fangmöglichkeiten berechnet werden, die Fangempfehlung basiert auf den Fängen der Vorjahre, modifiziert unter Vorsorgeaspekten. Die Bestandsinformationen beruhen auf kommerziellen Fangdaten und dem internationalen Rotbarsch-Survey. Diese Forschungsreise wird für den tiefen Bestand mit Schleppnetzfängen durchgeführt. Sie findet alle zwei Jahre statt, zuletzt 2013. [654] [664]

Wesentliche Punkte

2014: Für die Begutachtung eines Managementplan-Entwurfs wurde in diesem Jahr die gesamte Survey-Zeitserie überarbeitet, sie ist nun konsistent über den Zeitraum 1999-2013 verfügbar. Die Biomasse-Daten aus der aktuellen Forschungsreise sind die niedrigsten der Zeitreihe. Die Nutzungsrate des Bestandes ist nicht bekannt, aber mit Sicherheit zu hoch. Die Summe der Quoten liegt 2013 erneut deutlich über den Empfehlungen des ICES. [664] [716]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
?– (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

?– (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

?– (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Dieser Bestand wurde 2009 vom flachen pelagischen Bestand getrennt. Bis dahin unterschied der ICES in der Irmingersee und angrenzenden Gebieten zwischen einem pelagischen (im Freiwasser) und einem demersalen (in Bodennähe) S. mentella-Bestand (weitere Informationen dazu auf der Seite „Rotbarsch Bestandsstruktur“). Die Fischerei auf den Rotbarschbestand „Sebastes mentella pelagisch tief“ begann 1991, als die Rotbarsch-Fischerei an der Oberfläche sich in tiefere Bereiche ausdehnte. Da sich dadurch die verschiedenen Bestände in den Fängen gemischt haben können, sind die Anlandedaten aus den Jahren 1992-1996 nur bestmögliche Schätzungen. Die Anlandungen aus diesem Bestand stiegen bis 1996 auf fast 140.000 t und schwanken seitdem zwischen 30.000 und 100.000 t. Ab 1997 werden Logbuchdaten mit Fangtiefenangaben (für EU-Mitgliedstaaten nicht verpflichtend) für die Bestandszuordnung verwendet. Nach den Daten der Forschungsreisen (ab 1999) hat die Biomasse seit 2001 stark abgenommen und 2013 wurde der niedrigste Wert der Zeitreihe erreicht. [199] [295] [654] [664] [716]

Ausblick

Aufgrund der unzureichenden Datenlage können keine kurzfristigen Vorhersagen berechnet werden. Rotbarsch ist eine langlebige und spät reproduzierende Art, die Erholung des überfischten Bestandes wird daher viele Jahrzehnte dauern. [664]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Über spezielle Umwelteinflüsse auf diesen Bestand ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig bekannt. [654] [664]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Der Bestand ist in verschiedenen Managementgebieten verbreitet. Er kommt vor allem in internationalen, isländischen und grönländischen Gewässern vor (Bewirtschaftungsbereich siehe Karte Managementgebiete). Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) ist die Haupt-Managementorganisation für diesen Bestand. Die Vertragsparteien der NEAFC haben regelmäßig einen Entwurf zur Bewirtschaftung der pelagischen Rotbarsch-Bestände in internationalen Gewässern erstellt. Über viele Jahre wurde jedoch keine Einigung erzielt, so dass einige Länder autonome Quoten festlegten. 2011 erfolgte eine Einigung mit allen Vertragsparteien außer Russland. Diese Bewirtschaftungsregelungen der Küstenstaaten (Färöer Inseln, Grönland, Island) mit der EU und Norwegen sind seit Mai 2011 in Kraft und gelten bis 31. Dezember 2014. Für die tiefe pelagische Fischerei sind darin Quoten bis 2014 festgelegt. Russland hat diesen NEAFC-Beschluss nicht unterzeichnet und legt eine autonome Quote fest (für beide pelagischen Bestände, da es deren Trennung nicht anerkennt), der größte Teil dieser Quote (80-90%) wird aus dem tiefen Bestand entnommen. Hinzu kommt noch ein TAC für pelagische Rotbarsche in grönländischen Gewässern (ICES-Gebiete V und XIV und NAFO 1F), der unter bestimmten Voraussetzungen auch im Managementgebiet dieses Bestandes gefischt werden darf. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Regularien, wie z.B. minimale Maschenweiten. [31] [201] [629] [654] [664]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Dieser Bestand wurde 2009 vom flachen pelagischen Bestand getrennt. Bis dahin wurden wissenschaftliche Empfehlungen für einen pelagischen und einen demersalen S. mentella-Bestand gegeben. Da jahrelang keine Einigung mit allen Vertragsparteien über einen Bewirtschaftungsentwurf erfolgte, wurden autonome Quoten festgelegt, deren Summe weit über den wissenschaftlichen Empfehlungen lag. Im 2011 abgeschlossenen Übereinkommen der NEAFC-Vertragsparteien sind nun Quoten bis 2014 festgelegt, die den jährlichen ICES-Empfehlungen angepasst werden sollen. Seit 2011 liegt diese NEAFC-Quote aber über den wissenschaftlichen Empfehlungen des ICES, hinzu kommen noch die erhebliche autonome Quote Russlands und weitere Fangmöglichkeiten aus einem TAC in grönländischen Gewässern. Dieser Bewirtschaftungsansatz schützt den Bestand nicht vor einer fortgesetzten Übernutzung. Die Summe der Quoten wurde zwar 2012 nicht vollständig ausgenutzt (Fänge lagen nur wenig über der NEAFC-Quote), für 2013 und 2014 wird aber eine Entnahme erwartet, die fast doppelt so hoch wie die empfohlene Menge ist. Der ICES weist auf das Fehlen von tiefen-spezifischen Fangdaten hin und empfahl die Entwicklung eines Managementplanes. Der Entwurf eines solchen Plans wurde vom ICES Anfang 2014 begutachtet und als nicht im Einklang mit dem Vorsorgeansatz befunden [31] [199] [201] [654] [664] [716]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Managementgebiete für die tiefe pelagische Fischerei auf Rotbarsch sind die Island-AWZ, Grönland-AWZ und internationale Gewässer der NEAFC. Das Vieleck umschließt das Managementgebiet für diesen Bestand, in dem der größte Teil der tiefen pelagischen Fischerei stattfindet. Der Bestand ist darüber hinaus auch weiter südwestlich und im Gebiet der NAFO verbreitet. [199] [654] [664]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang 2012: 32,8; 100% pelagische Schleppnetze
TACs (Summe Quoten beide pelagische Bestände/NEAFC-Abkommen, tiefer Bestand ab 2011) 2011: 60/38   2012: 54/32   2013:48/26  [201] [629] [654] [664]

IUU-Fischerei

Es gab in dieser Fischerei erhebliche Probleme mit unberichteten und unregulierten Fängen. Sofern diese in internationalen Gewässern getätigt werden, sind sie nicht illegal. Zum Teil werden Daten aus den NEAFC- und NAFO-Gebieten zu spät geliefert. Die offiziell gemeldeten Fänge für beide pelagischen Bestände liegen im Rahmen der festgesetzten Quoten. Es gibt Hinweise, dass 2007 höchstens 80% des tatsächlichen Fischereiaufwandes und damit auch der tatsächlichen Anlandungen gemeldet wurden. Spätere Daten liegen nicht vor, der nichtgemeldete Aufwand ist aber wahrscheinlich sehr viel geringer als in früheren Jahren. [203] [654] [664]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Die Fischerei auf diesen Rotbarschbestand wird mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt. 2012 wurden 81% der Fänge aus dem Gebiet südöstlich Grönlands gefischt (ICES-Gebiet XIV). Hauptfangnation 2012 war Russland, Island steht an zweiter Stelle der Fangstatistik. Die pelagische Rotbarschfischerei verwendet die größten Schleppnetze, die weltweit in der kommerziellen Fischerei eingesetzt werden: In einem Gloria-Netz finden bis zu 11 Jumbojets Platz, die Netzöffnung entspricht der Fläche von vier bis fünf Fußballfeldern. Die ersten Maschen des Netzes haben Öffnungen von 128 m; wenn sich ein solches Netz verheddert (z.B. nach versehentlicher Grundberührung), kann es in der Regel nur mit Hilfe von Mobilkränen auf einem Flugplatz klariert werden. [31] [654] [664]

Beifänge und Rückwürfe

In dieser pelagischen Fischerei gibt es sehr geringe unerwünschte Beifänge und Rückwürfe. [654] [664]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die pelagische Fischerei hat kaum Einfluss auf den Lebensraum, andere Fischarten oder Wirbellose, mit Ausnahme der Zielart. Der Meeresboden wird durch die Fanggeräte nicht berührt, auch weil dies das riesige Fanggerät unbrauchbar machen würde. [31] [654] [664]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Seit 2009 trennt der ICES drei Bestände und somit auch drei Managementeinheiten von Sebastes mentella in der Irmingersee und angrenzenden Gewässern. Es werden die überwiegend pelagischen Bestände in der Irmingersee S. mentella flach (oberhalb 500 m) und S. mentella tief (unterhalb 500 m), sowie ein bodenlebender Bestand auf dem isländischen Kontinentalabhang unterschieden (weitere Informationen dazu auf der Seite Rotbarsch Bestandsstruktur). Die Trennung basiert auf genetischen Daten, sowie biologischen Informationen wie z.B. Befall mit spezifischen Parasiten. Wahrscheinlich ist der Ostgrönlandschelf Aufwuchsgebiet für alle drei Bestände. Russland erkennt die Trennung der zwei pelagischen Bestände nicht an. Wie alle Sebastes-Arten ist auch S. mentella ovovivipar, also lebendgebärend mit innerer Befruchtung. Sie ist eine langlebige, langsam wachsende Art, die spät geschlechtsreif wird und dadurch sehr anfällig für Überfischung ist. [199] [294] [654] [664]

Zusätzliche Informationen

Die Irmingersee war traditionell einer der Hauptfanggründe für den Rotbarsch, insbesondere für die deutsche Fischerei, nachdem Fangmöglichkeiten auf dem Islandschelf mit Ausdehnung der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wegfielen. Die genaue Unterscheidung zwischen Sebastes norvegicus (zuvor S. marinus, Goldbarsch) und S. mentella ist nicht einfach, da sie von der Gestalt sehr ähnlich erscheinen. Sie erfordert häufig die Berücksichtigung vieler Körpermerkmale oder genetische Analysen. Der Handel unterscheidet selten zwischen den Arten. Deutschland ist der größte Abnehmer für Rotbarsch aus isländischen Gewässern. [14] [31]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine pelagische Rotbarschfischerei nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Rotbarschfischerei wird überwiegend mit mittleren bis großen Hochseefahrzeugen durchgeführt. Die Fahrzeuge fahren unter Flaggen der jeweiligen Staaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung folgt daher deren Regeln. [13] [31]

Literaturquellen Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee tief

  Autor Jahr Titel Quelle
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[31] Ministry of Industries and Innovation, Iceland Informationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation) fish.is
[199] ICES 2009 Report of the Workshop on Redfish Stock Structure (WKREDS), 22-23 January 2009, ICES Headquaters, Copenhagen. ICES CM 2009/ACOM: 37. 71pp ices.dk
[201] NEAFC 2011 Multi-annual interim conservation and management measure for deep and shallow pelagic redfish in the Irminger sea and adjacent waters to apply from 2011 - 2014 in the NEAFC convention area. Rec pv 2011: Postal Vote on Redfish in the Irminger Sea neafc.org
[203] ICES 2010 Report of the North-Western Working Group (NWWG), 27 April - 4 May 2010, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2010/ACOM:07. 751 pp. 20. Deep Pelagic Sebastes mentella ices.dk
[294] ICES 2011 Report of the Stock Identification Methods Working Group (SIMWG). By Correspondence in 2011. ICES CM 2011/SSGSUE:06. 91 pp. ices.dk
[295] ICES 2011 Report of the Advisory Committee, 2011. Book 2. Iceland and East Greenland. 2.3.3.1. NEAFC request on redfish stock structure in the Irminger Sea ices.dk
[629] Europäische Union (EU) 2013 Verordnung (EU) Nr. 297/2013 des Rates vom 27. März 2013 zur Änderung der Verordnungen (EU) Nr. 44/2012, (EU) Nr. 39/2013 und (EU) Nr. 40/2013 hinsichtlich bestimmter Fangmöglichkeiten europa.eu
[654] ICES 2013 Report of the North Western Working Group (NWWG), 25 April - 02 May 2013, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2013/ACOM:07. 1538 pp. ices.dk
[664] ICES 2013 Report of the Advisory Committee, 2013. Book 2 Iceland and East Greenland. 2.4.11. Beaked redfish (Sebastes mentella) in Subareas V, XII, and XIV and NAFO Subareas 1+2 (Deep pelagic stock 500 m) ices.dk
[716] ICES 2014 2.3.3.2 Faroe Islands, Greenland, and Iceland request to ICES on evaluation of a proposed harvest control rule for deep pelagic redfish in the Irminger Sea and adjacent waters ices.dk