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Fischbestände
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Aal, Europäischer

gültig 02/2016-10/2016

Umriss der Fischart Anguilla anguilla

Biologische Charakteristika

Der Europäische Aal ist eine fakultativ katadrome Art: Die meisten Tiere wandern zum Aufwachsen aus dem Meer die Flüsse hinauf. Während sie den Großteil ihres Lebens in Küsten- und Binnengewässern verbringen, liegt ihr Laichgebiet in der Sargassosee, einem Seegebiet zwischen Bermuda und den Westindischen Inseln, bis zu 7.000 km von den Aufwuchsgebieten in Europa bzw. Nordafrika entfernt. Dort schlüpfen die Aallarven, die wegen ihrer speziellen Form als Weidenblattlarven bezeichnet werden. Sie driften mit den nordatlantischen Strömungssystemen, vor allem dem Golfstrom, an die europäischen und nordafrikanischen Küsten. Wie lange diese Reise dauert, ist nicht abschließend geklärt. Kurz vor Ankunft an den Küsten wandeln sich die inzwischen etwa 70 mm langen Larven in Glasaale um, welche bereits die Körperform erwachsener Tiere besitzen, aber noch transparent sind. Sie wandern in Brackwassergebiete ein, um dort zu verbleiben, oder beginnen mit dem Aufstieg in die Flüsse, wenn diese etwa 10-12°C Wassertemperatur erreichen. Als Steigaale sind sie bereits voll gefärbt. Während der anschließenden Aufwuchsperiode, die ausschließlich dem Nahrungserwerb dient, färben sich die Seiten und der Bauch der Fische gelblich. Sie werden nun Gelbaale genannt. Im Alter von 6 bis mehr als 20 Jahren beginnt die Umwandlung zum Blankaal. Dabei vergrößern sich Augen und Brustflossen, die Haut auf dem Rücken wird dunkler, der Bauch hingegen silbrig glänzend. Diese Färbung dient der besseren Tarnung im Meer. Die Nahrungsaufnahme wird eingestellt und der Darmkanal zurückgebildet. Langsam beginnt die Reifung der Geschlechtsorgane, ein Prozess, der aber wohl erst in der Sargassosee abgeschlossen wird. Meist verbunden mit Hochwasserereignissen im Spätsommer/Herbst wandern die Tiere ins Meer ab und verschwinden im Atlantischen Ozean. Auf welchen Routen sie die Sargassosee erreichen, ist noch immer nicht geklärt. Als sicher gilt aber, dass sie nach dem Laichen verenden. Der Europäische Aal ist eine panmiktische Art: im Unterschied zu den meisten anderen Fischarten gibt es keine reproduktiv isolierten Bestände, sondern es handelt sich um eine einzige, das gesamte Verbreitungsgebiet umfassende Population. [2] [14] [182] [184] [186] [229] [698]

Kennzahlen

  • Maxima:
    Länge: bis 133 cm, Alter: bis 88 Jahre, Masse: bis 6,6 kg [229]
  • IUCN-Status:
    Aussterben bedroht (CR) [384] (Zugriff 27. April 2015)
    CITES-Status:
    gelistet in Anhang II [3]
    OSPAR:
    gelistet, alle Regionen [134]
  • Widerstandsfähigkeit (resilience):
    niedrig (Verdopplung der Population dauert 4,5-14 Jahre) [229]
  • Fruchtbarkeit (fecundity):
    1-8 Mio. Eier pro Weibchen [585]
  • Trophische Ebene:
    3,6 ± 0,3 (Standardfehler) [229]

Verbreitung

Der europäische Aal ist an den Küsten des Atlantiks von Skandinavien bis Marokko verbreitet, einschließlich Mittelmeer, Schwarzes- und Weißes Meer. Außerdem in den Flüssen (und angrenzenden Seen) des Nordatlantiks, der Ostsee und des Mittelmeeres. Die natürliche Verbreitung beschränkt sich auf Gewässer mit Verbindung zum Meer, durch Besatz werden aber auch abgetrennte Seen und Teiche besiedelt. Das Laichgebiet liegt im westlichen Atlantik (Sargassosee) und wird über ozeanische Wanderungen erreicht. [2] [100] [229]

Aussehen

Ausgewachsene Aale haben einen schlangenförmigen, langgestreckten, runden Körper. Im Gegensatz zu manchen anderen aalartigen Fischen sind Brustflossen vorhanden. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen durchgehenden Flossensaum. Die Haut ist dick, mit tief eingebetteten winzigen, ovalen Schuppen. Die Färbung und einige körperliche Merkmale verändern sich im Laufe der Entwicklung über Weidenblattlarve, Steigaal, Gelbaal und Blankaal (siehe Biologische Charakteristika). [14] [229]

Wirtschaftliche Bedeutung

Der europäische Aal wird als Glasaal, Gelbaal und Blankaal kommerziell genutzt. Glasaale werden kurz nach ihrer Ankunft in den Flussmündungen vor allem Frankreichs, Englands, Spaniens, Portugals und Italiens befischt. Sie dienen als Setzlinge für die europäische Aal-Aquakultur oder werden als Besatzaale in europäischen Binnengewässern verteilt. Diese Tiere sind extrem wertvoll. Ein Teil der Glasaale wird direkt konsumiert, vor allem in Südwest-Europa. Die durchschnittliche Sterblichkeit beim Fang von Glasaalen liegt bei 40%. Bis vor dem seit 2011 gültigen Exportverbot für Europäischen Aal wurden Glasaale in großen Mengen auch nach China exportiert, wiederum als Aquakultur-Setzlinge. Gelbaale werden Zeit ihres Lebens in Binnen- und Küstengewässern befischt, ebenso wie Blankaale auf ihrem Weg in den Atlantik. Sowohl kommerzielle als auch Freizeitfischerei sind von Bedeutung. [13] [14] [184] [185]

Produktarten

Die Angebotsformen von Aal sind vielfältig. Das Fleisch ist fett und eignet sich deshalb besonders gut zum Räuchern. In Deutschland werden daher rund 80% der Aale geräuchert angeboten. Er kommt zudem frisch oder eingesalzen auf den Markt. Spezielle Zubereitungsformen wie Aalsuppe oder Aal in Aspik sind heutzutage auch als Fertigprodukte im Handel erhältlich. In England und Südeuropa werden Glasaale zu Konserven verarbeitet. [2] [14] [229]

Bestandsübersicht Aal, Europäischer

Marktdaten

2014 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 1.428 t (2013: 1.733 t), Marktanteil: 0,1% [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Europ. Aal - - ? ?– (small) ?– (small) 10/2015 - 10/2016

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Aal, Europäischer

  Autor Jahr Titel Quelle
[2] Muus BJ, Nielsen JG 1999 Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3] CITES Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and III cites.org
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[100] Food and Agriculture Organization (FAO) 2010 FAO. © 2010. FAO FishFinder, the Species Identification and Data Programme. FAO FishFinder. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 6 April 2010. fao.org
[134] OSPAR Commission 2010 OSPAR List of Threatened and/or Declining Species and Habitats (Reference Number: 2008-6) ospar.org
[182] ICES 2012 Report of the Advisory Committee, 2011. Book 9. Widely Distributed and Migratory Stocks. 9.4.9. European Eel ices.dk
[184] ICES ICES-Homepage ices.dk
[185] Europäische Kommission Europäische Kommission, Fischerei, Homepage europa.eu
[186] Aarestrup K, Økland F, Hansen MM, Righton D, Patrik Gargan P, Castonguay M, Bernatchez L, Howey P, Sparholt H, Pedersen MI, McKinley RS 2009 Oceanic Spawning Migration of the
European Eel (Anguilla anguilla)
Science, 325: 1660
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384] IUCN IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012 iucnredlist.org
[585] MacNamara R, McCarthy TK 2012 Size-related variation in fecundity of European eel (Anguilla anguilla). ICES Journal of Marine Science: Journal du Conseil 69(8): 1333-1337
[698] Baltazar-Soares M, Biastoch A, Harrod C, Hanel R, Marohn L, Prigge E, Evans D, Bodles K, Behrens E, Böning CW, Eizaguirre C 2014 Recruitment collapse and population structure of the European eel shaped by local ocean current dynamics. Current Biology, Volume 24, Issue 1, 104-108