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Fischbestände
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Rotbarsch (2 Arten)

gültig 06/2016-06/2017

Umriss der Fischart Sebastes mentella/norvegicus

Biologische Charakteristika

Die wissenschaftliche Bezeichnung für den Goldbarsch, Sebastes marinus, wurde in der taxonomischen Literatur durch S. norvegicus ersetzt. Rotbarsche sind typische Vertreter der Tiefsee-Fischfauna: Sie wachsen und bewegen sich langsam, erlangen spät die Geschlechtsreife (mit ca. 10-12 Jahren) und bringen nach einer internen Befruchtung vergleichsweise wenige Larven zur Welt. Die ca. 6 Bestände der beiden bedeutenden Rotbarscharten im Nordatlantik (weitere Informationen dazu auf der Seite "Rotbarsch Bestandsstruktur") sind daher besonders empfindlich gegen Überfischung, sie würden viele Jahrzehnte benötigen, um sich von einem Zusammenbruch zu erholen. Rotbarsche leben in 200 bis über 1.400 m Tiefe entweder demersal (am Boden) oder pelagisch (in der freien Wassersäule). Sie fressen Leuchtgarnelen (Krill), Flohkrebse, Tintenfische, Pfeilwürmer und kleinere Fische (Hering, Lodde). Rotbarsche haben eine kräftige Schwimmblase, die auch dann nicht platzt, wenn die Tiere aus großer Tiefe im Schleppnetz an die Oberfläche geholt werden - sie verdrängt dann alle weichen Organe. [2] [229] [389] [390] [551] [552]

Kennzahlen

  • Maxima:
    (S. mentella/S. norvegicus) Länge: bis 58/100 cm, Alter: bis 75/60 Jahre, Masse: k.A./bis 15 kg [229]
  • IUCN-Status:
    nicht gefährdet (LC)/nicht bewertet (NE) [384] (Zugriff 05. Okt. 2016)
    CITES-Status:
    nicht gelistet [3]
  • Widerstandsfähigkeit (resilience):
    sehr niedrig (min. Populationsverdopplungszeit über 14 Jahre)/niedrig (Verdopplung der Population dauert 4,5-14 Jahre) [229]
  • Fruchtbarkeit (fecundity):
    k.A./hoch (19.000-350.000 Larven pro Weibchen) [229]
  • Trophische Ebene:
    4,1 ± 0,66/4,0 ± 0,68 (Standardfehler) [229]

Verbreitung

Rotbarsche leben hauptsächlich im nördlichen und östlichen Nordatlantik und bevorzugen Wassertemperaturen zwischen 3 und 8 Grad Celsius und Tiefen bis zu 1.000 Meter. Wichtigste Aufenthaltsräume sind die Schelfgebiete von Grönland, Island und den Färöern und – für die pelagischen Bestände – die Irminger- und die Norwegensee. [2] [229]

Aussehen

Auffällig ist die Rotfärbung der Fische, die ihnen auch den Namen gab. Sie sind leuchtend rot mit einigen dunkleren Marmorierungen auf dem Rücken und einem hellen Rosa auf dem Bauch. Die Maulhöhlen sind hellrot gefärbt. Diese Farbe wirkt jedoch im natürlichen Lebensraum nicht rot sondern dunkelgrau – rote Lichtanteile dringen nicht bis in die Tiefsee vor. Ein weiteres Merkmal sind die harten, festsitzenden Schuppen mit den leicht zugespitzten Dornen am hinteren Rand, wodurch sich die Fische sehr rau anfühlen. Kräftige Dornen auf den Kiemendeckeln und sehr harte Flossenstrahlen der ersten Rückenflosse machen Rotbarsche für Fressfeinde fast unverdaulich. Die genaue Unterscheidung zwischen Sebastes norvegicus (Goldbarsch) und S. mentella ist nicht einfach, da sie vom Habitus sehr ähnlich erscheinen. Sie erfordert häufig die Berücksichtigung vieler Körpermerkmale oder genetische Analysen. Hinzu kommt eine weitere Variante, die sogenannten Riesen-Rotbarsche („giant redfish“) die im Schnitt 60 cm groß werden, aber auch Längen von 100 cm erreichen können. Morphologisch ähneln sie S. norvegicus, ihre genaue Stellung zu S. norvegicus und S. mentella konnte bisher aber nicht endgültig geklärt werden. [2] [229] [272]

Wirtschaftliche Bedeutung

Für die deutsche Fischwirtschaft sind die Rotbarsche wegen ihrer Beliebtheit beim Verbraucher von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Handelsbezeichnung „Rotbarsch“ umfasst alle Sebastes-Arten (Sebastes spp.), für Sebastes norvegicus findet auch die Bezeichnung „Goldbarsch“ Anwendung. Der Handel unterscheidet selten zwischen den Arten. [13] [14] [31]

Produktarten

frisch, ganz oder als Filet, tiefgefroren, heißgeräuchert. [2] [14] [229]

Bestandsübersicht Rotbarsch (2 Arten)

Marktdaten

verschiedene Arten: 2015 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 17.792 t (2014: 13.894 t), Marktanteil: 1,8% (2014: 1,4) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Goldbarsch V, VI, XIV (S. norvegicus) 51,6 - 354,8 + (small) + (small) 06/2016 - 06/2017
S. mentella (I, II) 9,3 - 812,8 ? (small) ?+ (small) Anldg. 2013, Advice für 2015-2017 06/2014 - 06/2017
S. mentella Islandschelf (Va, XIV) 9,3 - ? ? (small) ? (small) Anldg. vorläufig 06/2016 - 06/2017
S. mentella Ostgrönland 6,0 - ? ? (small) ? (small) 06/2016 - 06/2017
S. mentella pelagisch flach V,XII, XIV, NAFO 5,6 5,6 ? ?– (small) ? (small) 06/2016 - 06/2018
S. mentella pelagisch tief V, XII, XIV, NAFO 27,4 27,4 ? – (small) – (small) 09/2016 - 09/2018
S. norvegicus (I, II) (Goldbarsch) 3,6 - ? ?– (small) ?– (small) ehemals S. marinus, Advice für 2017-2019 06/2016 - 06/2017

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Rotbarsch (2 Arten)

  Autor Jahr Titel Quelle
[2] Muus BJ, Nielsen JG 1999 Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3] CITES Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and III cites.org
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[31] Ministry of Industries and Innovation, Iceland Informationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation) fish.is
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[272] Johansen T, Naevdal G, Danielsdottir AK, Hareide NR 2000 Genetic characterisation of giant Sebastes in the
deep water slopes in the Irminger Sea
Fisheries Research 45: 207-216
[384] IUCN IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012 iucnredlist.org
[389] Appeltans W, Bouchet P, Boxshall GA, Fauchald K, Gordon DP, Hoeksema BW, Poore GCB, van Soest RWM, Stöhr S, Walter TC, Costello MJ 2011 World Register of Marine Species, WoRMS marinespecies.org
[390] Integrated Taxonomic Information System (ITIS) Homepage itis.gov
[551] Eschmeyer WN (ed.) Catalog of Fishes. California Academy of Sciences (http://research.calacademy.org/research/ichthyology/catalog/fishcatmain.asp) Electronic version accessed 07 Nov. 2012. calacademy.org
[552] Mecklenburg CW, Møller PR, Steinke D 2011 Biodiversity of Arctic marine fishes: taxonomy and zoogeography. Marine Biodiversity v. 41 (no. 1): 109-140. Supplementary online material 1, p 18