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Fischbestände
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Schellfisch

gültig 06/2015-06/2016

Umriss der Fischart Melanogrammus aeglefinus

Biologische Charakteristika

Schellfische gehören zur Familie der Dorschartigen (Gadidae), sind also mit dem Kabeljau und dem Seelachs (Köhler) verwandt. Sie unternehmen teilweise ausgedehnte Wanderungen, besonders in der Barentsee und um Island. Geschlechtsreife Schellfische ziehen in den Wintermonaten zu den Laichplätzen. Hauptlaichgebiete liegen in der nördlichen Nordsee, vor Norwegen, Island und den Färöer-Inseln. Die Eier schweben frei im Wasser und steigen langsam zur Wasseroberfläche empor. Die Larven gehen mit einer Länge von 5-10 cm zum Leben in Bodennähe über. Schellfische kommen in Tiefen von 10-450 m vor, in der Regel bis 200 m, bei 4-10 °C, über Fels, Sand, Kies oder Muschelgrund. Ihre Nahrung setzt sich aus Bodentieren wie Schlangensternen, Muscheln und Würmern, aber auch Fischbrut und Jungfischen zusammen. [2] [229]

Kennzahlen

  • Maxima:
    Länge: bis 112 cm, Alter: bis 20 Jahre, Masse: bis 16,8 kg [229]
  • IUCN-Status:
    gefährdet (VU), (benötigt Aktualisierung) (Zugriff 12. Aug. 2015) [384]
    CITES-Status:
    nicht gelistet [3]
  • Widerstandsfähigkeit (resilience):
    mittel (min. Populationsverdopplungszeit 1,4-4,4 Jahre) [229]
  • Fruchtbarkeit (fecundity):
    hoch (100.000 Eier pro Weibchen) [229], 100.000-1 Mio. Eier [2]
  • Trophische Ebene:
    4,0 ± 0,1 (Standardfehler) [229]

Verbreitung

Der Schellfisch lebt im Nordostatlantik von der Biskaya bis zur Barentssee (Nowaja Semlja, Russland). Er ist hier vor allem in der Nordsee einschließlich Skagerrak und Kattegat, westlich von Schottland, um Island und vor Norwegen zu finden. In der Ostsee nur vereinzelt. Im Nordwestatlantik ist Schellfisch von New Jersey (USA) bis Neufundland und Labrador (Kanada) verbreitet. [2] [229]

Aussehen

Schellfische sind deutlich am großen runden schwarzen Fleck über der Brustflosse zu erkennen. Die Körperform ähnelt der des Kabeljaus. Schellfische besitzen wie ihr Verwandter eine dreigeteilte Rückenflosse und eine Kinnbartel, die jedoch viel kleiner als beim Kabeljau ist. Der Rücken ist dunkelgrau, ins violette gehend, die Seiten und der Bauch weißlich-silbrig gefärbt. Die schwarze Seitenlinie tritt klar hervor.
Um die Herkunft des schwarzen Fleckes ranken sich verschiedene nordische Märchen bzw. Sagen. Ursache ist in den meisten Geschichten ein Griff des heiligen Petrus, alternativ auch des Teufels (dessen Krallen ritzten dann auch die Seitenlinien). Der Schellfisch vertritt in der nordischen Sagenwelt also den Heringskönig bzw. Petersfisch (Zeus faber). Petrus’ Griff nach dem Schellfisch gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. hielt er einen Schellfisch in der Hand als er sich vor Jesus niederwarf, fing er einen widerspenstigen Fisch aus seinem Netz und betätigte sich direkt als Namensgeber („Du bist mir ein wahrer Schelmfisch“) oder nahm im Auftrag von Jesus einem Schellfisch den Zinsgroschen aus dem Mund. Der Schellfisch behielt am Ende immer Petrus’ Fingerabdrücke auf dem Körper. [2] [14] [145] [229]

Wirtschaftliche Bedeutung

Schellfisch gehört nicht zu den „Top 10“ der in Deutschland meistgegessenen Speisefische, ist aber ein geschätzter Konsumfisch und von wirtschaftlicher Bedeutung für den europäischen Markt. Sein helles, zartes Fleisch eignet sich zum Dünsten und Braten, in Deutschland ist er der klassische Kochfisch und eine beliebte Beilage zum Kartoffelsalat. [2] [14]

Produktarten

Frisch, ganz oder als Filet, tiefgefroren, geräuchert, mariniert, getrocknet. Besonders begehrt sind geangelte Schellfische (Angelschellfisch). Ihr Fleisch läuft nicht Gefahr, in Netzen zerdrückt zu werden und die Qualität ist daher besser. Im Vereinigten Königreich ist inzwischen meist Schellfisch in „Fisch und Chips“ zu finden. [2] [13] [14]

Bestandsübersicht Schellfisch

Marktdaten

2014 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 7.726 t (2013: 7.420 t), Marktanteil: 0,8% [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Färöer (Vb) 3,2 3,2 18,1 – (small) – (small) 06/2015 - 06/2016
Irische See (VIIa) 0,5 1,0 ? ? (small) ? (small) 06/2015 - 06/2016
Island (Va) 46,2 - 90,0 ? (small) ? (small) 06/2013 - 06/2014
Keltische See (VIIb-k) 9,9 13,0 33,4 + (small) – (small) 06/2015 - 06/2016
Nordost-Arktis (I, II) 315,0 - 255,4 + (small) – (small) Managementplan seit 2004/2007 06/2013 - 06/2014
Nordsee (IV, IIIaN, VIa) 41,1 46,3 145,7 + (small) + (small) 06/2015 - 06/2016
Rockall (VIb) 1,7 1,9 13,1 + (small) – (small) 06/2015 - 06/2016

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Schellfisch

  Autor Jahr Titel Quelle
[2] Muus BJ, Nielsen JG 1999 Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3] CITES Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and III cites.org
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[145] Dähnhard O 1912 Natursagen. Eine Sammlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden. 2. Band: Sagen zum alten Testament. 13. Kapitel: Petrus als Fischer. (online) www.zeno.org
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384] IUCN IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012 iucnredlist.org