Rotbarsch rangiert unter den 10 beliebtesten Speisefischen in Deutschland. Die Handelsbezeichnung „Rotbarsch“ umfasst alle Sebastes-Arten (Sebastes spp.), für Sebastes marinus findet auch die Bezeichnung „Goldbarsch“ Anwendung.
Im Nordostatlantik (FAO 27) werden drei Rotbarscharten kommerziell genutzt. Vorrangig sind dies Sebastes marinus und S. mentella. Die dritte Art, S. viviparus, wird nur in isländischen Gewässern gefischt und hat einen geringeren kommerziellen Wert. Hinzu kommt eine weitere Variante, die sogenannten Riesen-Rotbarsche („giant redfish“), die im Schnitt 60 cm groß werden, aber auch Längen von 1 m erreichen können. Morphologisch ähneln sie S. marinus, ihre genaue Stellung zu S. marinus und S. mentella konnte bisher aber nicht endgültig geklärt werden.
Die beiden wichtigen Arten S. mentella und S. marinus sind äußerlich nur schwer voneinander zu unterscheiden. Noch schwieriger ist die Trennung verschiedener Bestände, für die der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) die Managementempfehlungen erarbeitet.
Beide Arten haben Bestände nordöstlich Islands – im Barentsmeer und der Norwegischen See (ICES-Gebiete I und II), und südwestlich Islands, insbesondere in der Irmingersee und den ausschließlichen Wirtschaftszonen Islands und Grönlands (ICES-Gebiete V, XII und XIV, NAFO 1 und 2).
Bis einschließlich 2008 unterschied der ICES in der Irmingersee und angrenzenden Gebieten zwischen einem pelagischen und einem demersalen S. mentella-Bestand. Der pelagische Bestand war überwiegend in internationalen Gewässern verbreitet und deshalb wesentliches Ziel der nicht-isländischen Fischerei, auch der deutschen. Im Januar 2009 wurde die Bestandsstruktur überarbeitet; in der Folge werden nun zwei pelagische Bestände und ein demersaler Bestand und somit drei Managementeinheiten von S. mentella getrennt betrachtet (Abb. 1 und 2):
1. Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee flach (oberhalb 500 m Wassertiefe)
2. Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee tief (unterhalb 500 m Wassertiefe)
3. Sebastes mentella, überwiegend demersal, auf dem isländischen Kontinentalabhang (in den Gebieten Va und XIV)
Auf den Schelfen dieser Gebiete gibt es einen Goldbarsch-Bestand (V, VI, XIV) (S. marinus), der von dem Goldbarsch in den ICES-Gebieten I und II separiert ist. Dessen größter Ertrag stammt aus isländischen Gewässern. S. mentella auf dem südöstlichen Grönlandschelf (ICES-Gebiet XIVb) wird im Moment als eigener Bestand betrachtet.
Insgesamt werden also derzeit im Nordostatlantik zwei S. marinus- und mindestens fünf S. mentella-Bestände unterschieden. Es ist zu erwarten, dass diese Bestandsdefinitionen mit zunehmender wissenschaftlicher Kenntnis gelegentlich angepasst werden müssen.

Abb. 1: Verbreitung der Rotbarsch-Bestände in der Irmingersee und angrenzenden Gewässern auf die verschiedenen Wassertiefen und Managementgebiete. Die Übergänge zwischen den Beständen sind fließend und es kann zu Vermischungen kommen.

Abb. 2: Geografische Verteilung der Fänge von Rotbarsch S. mentella in der Irmingersee und angrenzenden Gewässern (schwarz-rot: höchste Fänge, hellblau – niedrigste Fänge). Die rote Linie umgrenzt das Managementgebiet für den Bestand „Pelagischer Rotbarsch, Sebastes mentella, Irmingersee tief“.
Quellen:
ICES, 2009, Report of the Workshop on Redfish Stock Structure (WKREDS), 22‐23, January 2009, ICES Headquarters, Copenhagen. ICES CM 2009/ACOM: 37. 71 pp
ICES, 2011, Report of the Advisory Committee, 2011. Book 2. Iceland and East Greenland. 2.4.6. Introduction to the redfish complex in Subareas V, VI, XII and XIV
ICES, 2011, Report of the Stock Identification Methods Working Group (SIMWG). By Correspondence in 2011. ICES CM 2011/SSGSUE:06. 91 pp.
ICES, 2011, Report of the Advisory Committee, 2011. Book 2. Iceland and East Greenland. 2.3.3.1. NEAFC request on redfish stock structure in the Irminger Sea
Johansen T, Naevdal G, Danielsdottir AK, Hareide NR, 2000, Genetic characterisation of giant Sebastes in the deep water slopes in the Irminger Sea, Fisheries Research 45: 207-216