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Fischbestände
Online

Nordsee-Sprotte

gültig 06/2014 - 06/2015

Ökoregion:
Nordsee
Fanggebiet:
Nordsee (IV) FAO 27
Art:
Sprattus sprattus

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

In die Berechnungen gehen Fangdaten und drei In die Berechnungen gehen Fangdaten und drei unabhängige wissenschaftliche Forschungsreisen ein. Um den Lebenszyklus der Sprotten besser abzubilden und damit das Ergebnis der Berechnung präziser zu machen, wurden Begutachtungsjahr und Empfehlungszeitraum von einem Kalenderjahr (Januar bis Dezember) auf Juli bis Juni des Folgejahres geändert. Nach Vorsorgeansatz sind zwei Referenzwerte für die Laicherbiomasse festgelegt (Blim und Bpa). Nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) sind Referenzwerte für Laicherbiomasse und fischereiliche Sterblichkeit definiert (modifiziert für kurzlebige Arten: Fcap und MSY-Bescapement). Sie sind Basis für die Fangempfehlung. [741] [758]

Wesentliche Punkte

2014 wurde die zweite analytische Begutachtung für Nordsee-Sprotte seit 2008 vorgelegt. Der Bestand liegt nach allen definierten Referenzwerten wieder im grünen Bereich. Die Biomasse hat sich innerhalb eines Jahres durch den sehr starken 2013er-Jahrgang fast verdreifacht. [741] [758]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
+ (small)

volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

+ (large)

innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

+ (large)

angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Sprotte in der Nordsee ist eine kurzlebige Art, die Biomasse und Fangmöglichkeiten schwanken daher stark. Die Laicherbiomasse liegt seit 2005 auf oder über dem Vorsorge-Referenzwert (Bpa). Sie hat sich innerhalb eines Jahres durch den sehr starken 2013er-Jahrgang fast verdreifacht und liegt nun auch wieder über MSY. Die fischereiliche Sterblichkeit zeigt seit 2004 einen abnehmenden Trend und lag 2013 unter dem Referenzwert nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Hohe Beifänge von jungen Heringen in der Industriefischerei haben die tatsächlichen Nordsee-Sprott-Fänge in der Vergangenheit wahrscheinlich verfälscht. Die Fangmengen werden daher erst nach 1996 als verlässlich angesehen. Seitdem wurden die höchsten Anlandungen 2005 erreicht. Seither schwanken die Anlandungen stark. [741] [758]

Ausblick

In den letzten 15 Jahren waren die Höchstfangmengen (TACs) für diesen Bestand nie restriktiv, die Fänge lagen immer darunter. Dies dürfte vor allem an den Begrenzungen der Heringsbeifänge in der Sprottenfischerei liegen. Mittelfristige Vorhersagen über die Entwicklung der Fänge sind bei kurzlebigen Arten kaum möglich. [741] [758]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Sprott-Bestand in der Nordsee hängt im Wesentlichen von der Verfügbarkeit bestimmter Nahrungsorganismen (Zooplankton) ab. Die Struktur der Zooplankton-Gemeinschaften in der Nordsee verändert sich in den letzten Jahren und die Zooplanktonmenge nimmt in der nördlichen Nordsee ab. Welchen Einfluss diese Umweltveränderungen auf den Bestand der Nordsee-Sprotte haben ist noch nicht bekannt. [741] [758]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Sprotte in der Nordsee erfolgt durch die EU über eine festgesetzte Höchstfangmenge (TAC), die neben der Nordsee (EU-Gewässer von ICES-Gebiet IV) auch die EU-Gewässer von Gebiet IIa einschließt. Norwegen erhält eine Quote für die EU-Gewässer von Gebiet IV, in norwegischen Gewässern ist der Bestand nur sporadisch verbreitet. Fänge in den norwegischen Fjorden werden nicht zu diesem Bestand gerechnet; genetische Untersuchungen zeigen erhebliche Unterschiede zwischen Sprotten aus den Fjorden und der Nordsee. Der TAC beinhaltet unvermeidbare Beifänge von z.B. Sandaal, Kliesche und Wittling. Für den Beifang von Hering wird eine separate Beifang-Höchstmenge festgelegt (ICES-Gebiete IV, VIId und EU IIa), welche die Sprottenfänge limitieren kann. Außerdem gibt es landesspezifische Regularien, wie z.B. saisonale Fangeinschränkungen, und Maßnahmen zur Verhinderung von fehlberichteten Fängen. [732] [741] [758]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die ersten Fangempfehlungen für diesen Bestand hat der ICES für 2001 abgegeben. Von 2002 bis einschließlich 2005 lagen die festgesetzten Höchstfangmengen (TACs) über den Empfehlungen, die Fänge jedoch meist darunter. 2006 bis 2008 wurde der TAC kleiner bzw. gleich der maximal empfohlenen Menge festgesetzt. Für 2009 und 2010 gab es keine Empfehlung. Obwohl für 2011 eine Reduzierung der Fänge empfohlen wurde, blieb der TAC unverändert hoch. Der TAC für 2012 wurde den Empfehlungen folgend leicht gesenkt, im Laufe des Jahres wurde allerdings eine weitere Reduzierung empfohlen. Die wissenschaftliche Empfehlung gilt seit letztem Jahr für Juli bis Juni des Folgejahres, während der TAC für ein Kalenderjahr festgelegt wird. Der ICES empfiehlt die Anpassung der TAC-Periode an den neuen Empfehlungszeitraum, um die Bewirtschaftung zu erleichtern. [741] [758]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Die Nordsee-Sprotte ist vor allem in EU-Gewässern der Nordsee verbreitet (ICES-Gebiet IV). Die geographische Verbreitung des Nordsee-Bestandes und die Verbindung zu benachbarten Beständen werden derzeit diskutiert. Die Bewirtschaftung erfolgt über eine Höchstfangmenge, die neben den EU-Gewässern der Nordsee auch Fänge in EU-Gewässern von Gebiet IIa einschließt. [732] [741] [758]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Kalenderjahr 2013: 65,9; Begutachtungsjahr Juli 2013 bis Juni 2014: 84,0 hauptsächlich pelagische Schleppnetze (vor allem Dänemark), außerdem Ringwaden (Norwegen)
TACs (EU-Gewässer IIa & IV, für das Kalenderjahr 2009: 170,0  2010: 170,0  2011: 170,0  2012: 161,5  
2013: 161,5  2014: 144,0    [732] [741] [758]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand.

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Nordsee-Sprotte wird hauptsächlich von Dänemark (2013: 91% der Anlandungen) in den Gebieten IVb und IVc in einer Industriefischerei mit kleinmaschigen Schleppnetzen gefischt. In der norwegischen Sprott-Fischerei werden Ringwaden und Schleppnetze eingesetzt. Beide Fischereien werden überwiegend für die Produktion von Fischmehl und –öl durchgeführt. Sehr viel kleinere Mengen werden von Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Schweden angelandet. [741] [758]

Beifänge und Rückwürfe

Sprott-Rückwürfe können nicht quantifiziert werden. Sie kommen z.B. in Form von „slipping“ vor (Verwerfen des gesamten Fanges), wenn der erlaubte Anteil von Hering im Fang überschritten ist. Kleine Sprotten und mindere Qualität hingegen werden mit dem gesamten Fang in die Fischmehlproduktion gegeben. Der Beifang von Hering ist in dieser Fischerei nicht vollständig vermeidbar, außer in Jahren mit hoher Sprotten-Häufigkeit und schwacher Herings-Nachwuchsproduktion. Die maximal erlaubten Hering-Beifangmengen wirken daher limitierend auf die Sprott-Fischerei. In der dänischen Sprott-Fischerei kommt es zu 4-11% Herings-Beifang, außerdem werden in geringeren Mengen Stöcker, Wittling, Schellfisch, Makrele, Kabeljau und Sandaal beigefangen. Da es sich hierbei meist um Jungtiere handelt, ist der Anteil am Gewicht zwar gering, kann aber aus einer großen Anzahl von Individuen bestehen. Bis 1997 kam es je nach Gebiet zu hohen Beifängen von jungen Heringen, die für den Heringsbestand problematisch waren. Um diese zu reduzieren, wurde ein Limit für Herings-Beifang in der Industriefischerei und Verbesserungen der Fangmethoden und der Kontrolle der Artzusammensetzung bei der Anlandung eingeführt. [741] [758]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Sprotte ist ein wichtiger Nahrungsorganismus im Ökosystem Nordsee. Der Einfluss der Sprott-Fischerei auf andere Fischarten, Meeressäuger und Seevögel ist im Moment aber noch nicht bekannt. Die Fischerei wird hauptsächlich mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die den Meeresboden kaum beeinflussen (weil sie ihn in der Regel nicht berühren). [30] [758]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Die Nordsee-Sprotte hat eine sehr ausgedehnte Laichzeit vom Frühlingsanfang bis in den Spätherbst, die von der Wassertemperatur gesteuert wird. Gelaicht wird in mehreren Schüben, bis zu zehn Schübe sind pro Laichsaison möglich. [741] [758]

Zusätzliche Informationen

Die Sprotte ist in der Nordsee kurzlebig (max. Alter ca. 3 Jahre), gefangen werden fast ausschließlich 1-2 Jahre alte Fische. Die Bestandsgröße und Fangmöglichkeiten hängen daher überwiegend vom Einwachsen des letzten Jahrgangs in die Fischerei ab. [741] [758]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Sprotte in der Nordsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert

Soziale Aspekte

Die Sprott-Fischerei in der Nordsee wird hauptsächlich von Dänemark durchgeführt (2013: 91% der Anlandungen). Die 2007 in Dänemark eingeführte Quotenregelung ermöglicht den Handel bzw. den Verkauf der Quoten. Viele kleinere Fahrzeuge sind aus der Fischerei ausgeschieden und haben ihre Quoten an größere Fahrzeuge verkauft; die dänische Flotte ist daher von großen Fahrzeugen dominiert. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgen nach Landesregeln. [741] [758]

Literaturquellen Nordsee-Sprotte

  Autor Jahr Titel Quelle
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[732] Europäische Union (EU) 2014 Verordnung (EU) Nr. 432/2014 des Rates vom 22. April 2014 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 43/2014 hinsichtlich bestimmter Fangmöglichkeiten europa.eu
[741] ICES 2014 Report of the Herring Assessment Working Group for the Area South of 62ºN (HAWG), 11-20 March 2014, ICES HQ, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:06. 1097 pp. ices.dk
[758] ICES 2014 Report of the Advisory Committee, 2014. Book 6. North Sea. 6.3.30. Sprat in Subarea IV (North Sea) ices.dk