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Fischbestände
Online

Alaska-Seelachs im Golf von Alaska

gültig 12/2014 - 12/2015

Ökoregion:
Golf von Alaska
Fanggebiet:
Beringsee/Golf von Alaska FAO 67
Art:
Gadus chalcogrammus (Theragra chalcogramma)

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Durch Alaska Fisheries Science Center (AFSC), http://www.afsc.noaa.gov und Alaska Department of Fish and Game (ADF&G), http://www.adfg.alaska.gov, zusammengestellt und veröffentlicht vom North Pacific Fishery Management Council, (NPFMC), http://www.npfmc.org/

Methode, Frequenz

Jährliche Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten sowie Daten aus mehreren unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Die Berechnung für das süd-östliche Verbreitungsgebiet erfolgt getrennt. Für diesen Alaska-Seelachs-Bestand ist der Zusammenhang zwischen Anzahl der Elterntiere und Nachwuchsproduktion zu unsicher, um Referenzwerte nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrags (MSY) festzulegen. Im Managementplan wird für solche Bestände hilfsweise ein MSY-Biomasse-Referenzwert von 35% der unbefischten Situation festgelegt (B35%). Aufgrund einiger Unsicherheiten in der Bestandsberechnung liegt der Management-Referenzwert etwas höher (B40%). Bei Erreichen eines Limitreferenzwerts (B20%) wird die gezielte Fischerei eingestellt. Die Fangempfehlung wird als „akzeptabler Fang“ (ABC = Acceptable Biological Catch) angegeben. Referenzwerte für die fischereiliche Sterblichkeit werden in Bezug dazu (FABC = F40%) und in Bezug zur Überfischung (FOFL ~ Fmsy = F35%) gegeben. [327] [802]

Wesentliche Punkte

2014/2015: Die Laicherbiomasse hat wie vorhergesagt etwas abgenommen. 2015 wird sie über dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (B35%), aber knapp unter dem anspruchsvolleren Management-Referenzwert (B40%) liegen. Der Fischereidruck liegt unter allen Referenzwerten, der Bestand wird nachhaltig bewirtschaftet. [802]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
?+ (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

?+ (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

– (small)

unter dem Grenzwert (nach Managementplan)

+ (small)

innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

+ (large)

innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

+ (large)

angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

B35% dient als MSY-Referenzwert für die Laicherbiomasse, FOFL (F35%) für die fischereiliche Sterblichkeit (F). Management-Referenzwerte sind der anspruchsvollere Biomasse-Wert B40% und FABC (F40%) für F.

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Alaska-Seelachs war Mitte der 1960er Jahre nur Beifang in anderen Fischereien, z.B. auf pazifischen Rotbarsch. Als diese Fischereien abnahmen, wurde Alaska-Seelachs immer mehr zur primären Zielart. Die gerichtete Fischerei begann im Golf von Alaska durch ausländische Fahrzeuge in den frühen 1970er Jahren; Mitte der 1970er Jahre kamen US-Schiffe hinzu. Die Fänge nahmen Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre stark zu. Seit 1988 wird die Fischerei nur noch durch US-Fahrzeuge durchgeführt. Diese Bestandsbeschreibung bezieht sich auf die westlichen und zentralen Gebiete und umfasst somit das Hauptverbreitungsgebiet im Golf von Alaska. Die Bestandsgröße war bis Ende der 1970er Jahre relativ niedrig, stieg dann aber in den frühen 1980er Jahren auf ihren Höchstwert. Danach war zunächst eine rapide Abnahme des Bestandes zu beobachten. Bis 1995 hat sich die Biomasse auf niedrigerem Wert stabilisiert, fiel Ende der 1990er aber unter 40% der unbefischten Bestandsgröße und erreichte 2003 das Minimum von 18%. 2009 bis 2013 war ein stetiger Anstieg zu beobachten, die Vorhersage für 2015 sieht die Laicherbiomasse über dem Referenzwert zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (B35%), aber noch knapp unter dem anspruchsvolleren Management-Referenzwert (B40%). Die fischereiliche Sterblichkeit liegt unter den Referenzwerten, der Bestand wird also nachhaltig bewirtschaftet. Ausschlaggebend für die Klassifizierung des Bestandszustandes ist die Laicherbiomasse der Weibchen. [802]

Ausblick

Die Vorhersagen für die Bestandsentwicklung der nächsten fünf Jahre sind variabel. Die Biomasse wird 2016 wahrscheinlich leicht zunehmen bzw. stabil bleiben, wenn die wissenschaftlichen Empfehlungen bei Festlegung der Fangmöglichkeiten weiterhin berücksichtigt werden. Die Fangmöglichkeiten werden wahrscheinlich weitgehend stabil bleiben. [802]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Bestandsentwicklung des Alaska-Seelachs im Golf von Alaska ist abhängig von diversen Umweltfaktoren. Insbesondere die Temperatur hat einen Einfluss auf die Nachwuchsproduktion. [802]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Das Fischereimanagement in den Gewässern der USA erfolgt nach dem Magnuson-Stevens Fishery Conservation and Management Act (MSFCM) von 1976. Der National Marine Fisheries Service (NMFS) bewirtschaftet die Grundfischfischerei in der ausschließlichen Wirtschaftszone (3-200 sm, Bundesgewässer) im Golf von Alaska (GOA). Das Management von Bundesstaatsgewässern (0-3 sm) unterliegt dem Alaska Department of Fish and Game (ADF&G). Die Bewirtschaftung erfolgt gemäß dem Managementplan für Grundfische im GOA. Alaska-Seelachs ist eine Zielart dieses Managementplanes, der unter anderem Regularien zu Fanggeräten, Gebietsschließungen, Beifangreduzierung (siehe „Beifänge und Rückwürfe“) und Meldepflichten enthält. Die TACs werden auf Basis der wissenschaftlichen Empfehlungen unter Berücksichtigung sozialer und ökonomischer Aspekte festgelegt. [196] [327] [802]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die Höchstfangmengen (TACs) für diesen Bestand werden seit Jahren den wissenschaftlichen Empfehlungen folgend festgesetzt. Die jährlichen Anlandungen liegen innerhalb dieser Vorgaben. [802]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Die Bewirtschaftung von Alaska-Seelachs im Golf von Alaska erfolgt über zwei Höchstfangmengen (TACs), eine für die westlichen und zentralen (West, Central & West Yakutat) und eine für die süd-östlichen Gebiete, sowie ein festgelegtes „harvest level“ für den Prince William-Sund. Der TAC für die süd-östlichen Gebiete kann von den herkömmlichen Fahrzeugen wegen des Verbots von Schleppnetzen nicht genutzt werden. Für dieses Gebiet gibt es eine getrennte Bestandsberechnung. [193] [327] [802]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2013: 96,4 (inkl. Prince William-Sund; Südost: 1); davon etwa 90% pelagische Schleppnetze
TACs (West, Central & West Yakutat / Südost / Prince William-Sund) 2010: 75,5 / 9,2 / 1,7    2011: 87,0 / 9,2 / 1,7  
2012: 105,7 / 10,8 / 2,8   2013: 110,3 / 10,8 / 2,7  
2014: 162,4 / 12,6 / 4,2  2015: 186,5 / 12,6 / ? 
[802] [803]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf unberichtete oder illegale Fänge von Alaska-Seelachs aus dem Golf von Alaska. [802]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Im Golf von Alaska werden etwa 90% der Fänge mit pelagischen Schleppnetzen gefischt. Im Winter zielt die Fischerei vor allem auf Vorlaicher-Ansammlungen in der Shelikof-Straße und nahe der Shumagin-Inseln. Die Sommerfischerei ist weniger vorhersagbar, findet in der Regel aber östlich von Kodiak Island und küstennah entlang der Alaska-Halbinsel statt. Die Höchstfangmengen werden auf vier Zeiträume verteilt. [196] [327] [802]

Beifänge und Rückwürfe

Die Fischerei mit pelagischen Schleppnetzen kann ohne nennenswerte unerwünschte Beifänge durchgeführt werden. Zwischen 2008 und 2013 bestanden etwa 95% der Fänge in dieser Fischerei aus Alaska-Seelachs (bezogen auf Gewicht). Alaska-Seelachs muss generell an Bord behalten werden, wenn die Fischerei geöffnet ist, unabhängig vom verwendeten Netz und der angegebenen Zielart (soweit nicht andere Regularien greifen). Rückwürfe kommen aber dennoch vor (2013: 2,5% bezogen auf den Gesamtfang), meist zu kleine Alaska-Seelachse oder solche, die zu groß für die Filetiermaschinen sind. Neben mit durch Höchstfangmengen regulierten Arten werden auch Beifänge von Arten berücksichtigt, die als Nahrung für andere Elemente des Ökosystems wichtig sind. Schließlich gibt es ein Fangverbot für Arten, die die traditionelle küstennahe Fischerei stützen, und die daher vermieden oder unverzüglich unverletzt zurückgesetzt werden müssen. Zu diesen Arten gehören pazifischer Hering, pazifischer Heilbutt und verschiedene Krabben. 2010 war der Beifang von Königslachs so hoch, das besondere Management-Maßnahmen ergriffen wurden, um diesen Beifang zu verringern. Dieser Beifang konnte seither um mehr als die Hälfte gesenkt werden. [327] [362] [802]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Diese Fischerei wird hauptsächlich mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die wenig Grundberührung haben. Besonders empfindliche Gebiete (z.B. Kaltwasserkorallen) sind für die Grundschleppnetzfischerei geschlossen.
Alaska-Seelachs ist Hauptnahrungsquelle für Stellersche Seelöwen (westliche Art). Die Fischerei könnte daher einen negativen Einfluss auf die nach IUCN Kriterien stark gefährdeten (EN) Art (Zugriff 11. Febr. 2015) haben. Das Management für Alaska-Seelachs enthält verschiedene Regularien, um die Seelöwen zu schützen und ihre Ernährung zu sichern. Hierzu gehören Schließungen der Fischerei den Gewässern um Seelöwenkolonien, Reduzierung der Alaska-Seelachs Entnahme aus bestimmten Gebieten und die Verteilung der Fischerei auf verschiedene Zeiträume. Außerdem soll die gerichtete Fischerei geschlossen werden, wenn die Alaska-Seelachs Laicherbiomasse im nächsten Jahr unter den Limitreferenzwert (B20%) zu fallen droht. [195] [196] [384] [802]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Alaska-Seelachs (englisch Alaska pollock oder walleye pollock) gehört zu den dorschartigen Fischen (Gadiformes), ist also entgegen seinem deutschen Namen kein Lachsverwandter. Neuere genetische Studien zu den Verwandtschaftsverhältnissen verschiedener Dorschartiger ergaben, dass Alaska-Seelachs evolutionsbiologisch in eine Reihe mit den verschiedenen Kabeljau-Arten in Atlantik und Pazifik gehört. Aus diesem Grund erfolgte eine neue taxonomische Einordnung. Der lateinische Name ändert sich daher von Theragra chalcogramma in Gadus chalcogrammus, an der deutschen Handelsbezeichnung wird sich dagegen vermutlich nichts ändern. [551] [697] [802]

Zusätzliche Informationen

In den Gewässern um Alaska werden vier Alaska-Seelachs Bestände bewirtschaftet: Östliche Beringsee, Aleuten, Bogoslof-Insel und Golf von Alaska. Zwischen den ersten dreien gibt es wahrscheinlich einen Austausch, während der Bestand im Golf von Alaska separierter ist. Die Trennung der Bestände in der Beringsee ist durch die Analyse der Larvendrift sowie durch genetische Untersuchungen nachgewiesen. Der größte Bestand ist der in der östlichen Beringsee.
Um den Konsumenten vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln zu schützen, besonders nach dem Reaktor-Unglück im japanischen Fukushima, führt die EU regelmäßige Importkontrollen durch; Eigenkontrollen der deutschen Industrie ergänzen diese Untersuchungen. Die Kontrollen aus dem gesamten Pazifik zeigen, dass bislang keine radioaktiv belasteten Fischereierzeugnisse in die EU eingeführt werden. Die Informationen werden regelmäßig aktualisiert (siehe Literaturquellen für entsprechende Links). [346] [347] [348] [802]

Zertifizierte Fischereien

Die gesamte Alaska-Seelachs Fischerei der USA (100% der Fangmenge) ist seit 2005 nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC) nachhaltigkeitszertifiziert. Die Fischerei auf Alaska-Seelachs im Golf von Alaska wurde 2010 für weitere fünf Jahre zertifiziert. [4] Siehe
http://www.msc.org/track-a-fishery/fisheries-in-the-program/certified/pacific/gulf-of-alaska-pollock

Soziale Aspekte

Innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der USA steht Alaska-Seelachs für die größten Fänge einer einzelnen Art. Die Alaska-Seelachs Fischerei in der Beringsee, um die Aleuten, sowie im Golf von Alaska ist im Moment die größte Fischerei in den USA und eine der größten Weißfisch-Fischereien weltweit. Im Golf von Alaska fischen nur einheimische Fahrzeuge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach US-Regeln. [193] [802]

Literaturquellen Alaska-Seelachs im Golf von Alaska

  Autor Jahr Titel Quelle
[4] Marine Stewardship Council (MSC) Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei msc.org
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[193] Alaska Fisheries Science Center (AFSC) Alaska Fisheries Science Center, AFSC afsc.noaa
[195] North Pacific Fishery Management Council (NPFMC) North Pacific Fishery Management Council: Homepage fakr.noaa
[196] Woodby D, Carlile D. Diddeek S, Funk F, Clark JH, Hulbert L 2005 Commercial fisheries of Alaska, Special Publication No. 05-09, ADF&G adfg.alaska
[327] North Pacific Fishery Management Council (NPFMC) Bering Sea/Aleutian Islands and Gulf of Alaska Groundfish fakr.noaa
[346] Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V. 2011 Pressemitteilung: Fischereierzeugnisse aus dem Pazifik sind sicher! Hamburg, 12.7.2011 fischverband.de
[347] European Comission Homepage: European comission, Nuclear energy
Accident at the Fukushima NPP, Japan
europa.eu
[348] Thünen-Institut Homepage: Leitstelle zur Überwachung der Umweltradioaktivität in Fisch ti.bund
[362] National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA 2011 Fisheries of the Exclusive Economic Zone Off Alaska; Chinook Salmon Bycatch Management in the Gulf of Alaska Pollock Fishery; Amendment 93, Federal Register /Vol. 76, No. 240 /Wednesday, December 14, 2011 / Proposed Rules fakr.noaa
[384] IUCN IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012 iucnredlist.org
[551] Eschmeyer WN (ed.) Catalog of Fishes. California Academy of Sciences (http://research.calacademy.org/research/ichthyology/catalog/fishcatmain.asp) Electronic version accessed 07 Nov. 2012. calacademy.org
[697] Page LM, Espinosa-Pérez H, Findley LD, Gilbert CR, Lea RN, Mandrak NE, Mayden RL, Nelson JS 2013 Common and scientific names of fishes from the United States, Canada, and Mexico. 7th Edition American Fisheries Society, Special Publication 34, 243pp
[802] North Pacific Fishery Management Council (NPFMC) 2014 Stock assessment and fishery evaluation report for the groundfish resources of the Gulf of Alaska (2014) noaa.gov
[803] National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) 2015 Fisheries of the Exclusive Economic Zone Off Alaska; Inseason Adjustment to the 2015 Gulf of Alaska Pollock and Pacific Cod Total Allowable Catch Amounts Federal Register / Vol. 80, No. 2 / Monday, January 5, 2015 / Rules and Regulations