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Fischbestände
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Nordostatlantischer Dornhai

gültig 10/2014 - 10/2016

Ökoregion:
Barentsmeer (Nordost-Arktis), Färöer-Plateau, Islandschelf, Keltischer und Biskaya-Schelf, Nordsee, Norwegische See
Fanggebiet:
Norwegische See (II), Nordsee (IV, IIIa), Keltische Meere (VI, VII), Island (Va), Färöer (Vb), Biskaya (VIII) FAO 27
Art:
Squalus acanthias

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Seit 2006 wird die ICES-Begutachtung für den Nordostatlantischen Dornhai alle ein bis zwei Jahre herausgegeben. Sie basiert auf Anlandedaten und Daten aus wissenschaftlichen Forschungsreisen. Aktuelle kommerzielle Anlandedaten stehen allerdings kaum noch zur Verfügung, weil nur noch sehr wenige Fischereien Dornhai anlanden (dürfen). Die Daten aus Forschungsreisen werden daher immer wichtiger. Die Referenzwerte nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages sind definiert (MSY-Nutzungsrate: NRmsy und MSY-Btrigger). Die Bestandsberechnung ist aufgrund unvollständiger Daten über die Anlandungen (vor allem in der Vergangenheit) sowie fehlender Informationen über Rückwürfe sehr unsicher. Die Fangempfehlung wurde 2014 für 2 Jahre gegeben. [865] [866]

Wesentliche Punkte

2014/2015: Für EU-Fahrzeuge sind die gesetzlichen Höchstfangmengen (TACs) weiterhin Null (EU- und internationale Gewässer). 76% der – sehr geringen – Anlandungen 2014 kamen aus Norwegen. Die Biomasse ist auf niedrigstem Niveau stabil und zeigt nun einen leichten Anstieg; die Nutzungsrate liegt unter dem MSY-Referenzwert. Der ICES empfiehlt weiterhin, keine gezielte Fischerei zuzulassen, Beifänge in der gemischten Fischerei weitestgehend zu minimieren und einen Erholungsplan zu entwickeln. [865] [866]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

– (large)

außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

+ (large)

angemessen (nach höchstem Dauerertrag)

Die Nutzungsrate nach MSY ist nicht identisch mit der fischereilichen Sterblichkeit, erstere gibt das Verhältnis von entnommener zu vorhandener Biomasse in Prozent an.

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Vor Beginn des 20. Jahrhunderts war Dornhai von geringer fischereilicher Bedeutung. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er als Lieferant von Lebertran und für die menschliche Ernährung immer wertvoller und immer stärker auch gezielt befischt. In den 1960ern wurden über 60.000 t im Jahr angelandet. Seither nahmen die Anlandungen, Nachwuchsproduktion und Biomasse kontinuierlich ab. Der Bestand gilt als zusammengebrochen, die Biomasse hat sich aber in den letzten Jahren auf sehr niedrigem Niveau stabilisiert, und zeigt nun, wie auch die Nachwuchsproduktion, einen leichten Anstieg. Die Nutzungsrate scheint in den letzten Jahren unter den Referenzwert nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (NRmsy) gesunken zu sein. [865] [866]

Ausblick

Trotz Schließung der gerichteten Fischerei wird die Erholung des Bestandes aufgrund der Langlebigkeit der Tiere und ihrer besonderen Fortpflanzungsbiologie sowie des Mangels an reifen Weibchen wahrscheinlich viele Jahre dauern. [133] [865] [866]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Das Wanderverhalten von Dornhaien ist wahrscheinlich stark mit der Wassertemperatur korreliert. Die bevorzugte Temperatur liegt zwischen 7 und 15°C und es werden horizontale und vertikale Wanderungen unternommen, um in diesem Temperaturbereich zu bleiben. In den letzten Jahren ist ein vermehrtes Auftreten in norwegischen Gewässern beobachtet worden. Möglicherweise sind gute Nahrungsverfügbarkeit und günstige Umweltbedingungen die Ursache. [175] [865] [866]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Dornhai im Nordostatlantik erfolgt durch die Küstenstaaten (Europäische Union, Norwegen, Island und die Färöer Inseln) über jeweils eigene Bewirtschaftungsregeln. Für EU-Schiffe gilt die entsprechende Verordnung in EU- und internationalen Gewässern; die Anlandung von Dornhai ist seit 2011 untersagt. Versehentlich gefangene Exemplare sollen danach vorsichtig und umgehend zurück gesetzt werden. Für norwegische Schiffe ist die gerichtete Fischerei auf Dornhai verboten, tote oder sterbende Dornhaie müssen aber angelandet werden (Beifangquote, Mindestanlandelänge: 70 cm). Auch in Island stammen die aktuellen Anlandungen nur aus Beifängen. Seit 2013 ist in europäischen Gewässern das „Finning“ verboten, bei dem die Haifischflossen abgetrennt und der Hai wieder ins Meer zurückgeworfen wird. Im Februar 2009 wurde der Aktionsplan der Europäischen Gemeinschaft für die Erhaltung und Bewirtschaftung der Haibestände verabschiedet. Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) empfiehlt ihren Vertragspartnern in internationalen Gewässern ein Verbot der gerichteten Dornhaifischerei, das Zurücksetzen gefangener Tiere und die Weitergabe aller Rückwurf-Daten an den ICES durchzusetzen. [31] [135] [136] [865] [866] [867]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Ab 1999 wurden gesetzliche Höchstfangemengen (TACs) für Dornhai festgelegt, allerdings bis einschließlich 2006 nur für Nordsee (IV) und Norwegische See (IIa). Die Gesamtanlandungen aus allen Gebieten lagen immer weit darüber. Der ICES empfiehlt seit seiner ersten Fangempfehlung im Jahr 2005 die Schließung der gerichteten Fischerei auf diesen Bestand, Minimierung der Beifänge und Ausweitung des TACs auf alle Gebiete, in denen Dornhai gefangen wird. Diesen Empfehlungen wurde jedoch nur schrittweise gefolgt. Erst 2007 wurden Höchstfangmengen für alle Gebiete festgelegt und in Nordsee und Norwegischer See als Beifangquote deklariert. Für 2008 wurden die weiter reduzierten TACs für alle Gebiete als Beifangquoten ausgewiesen. 2009 gab es wieder reguläre Höchstfangmengen, und es wurde der aktuellen ICES-Empfehlung gefolgt, eine Höchstanlandelänge von 100 cm festzulegen, um reife Weibchen zu schützen. Die TACs 2010 wurden auf Null reduziert, allerdings waren noch immer Beifänge von bis zu 10% der Vorjahresquote erlaubt. Seit 2011 folgt die EU der Empfehlung des ICES und hat alle Anlandungen dieser Art untersagt (ohne weitere Beifangerlaubnis). [798] [865] [866]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Der ICES betrachtet den Dornhai von der Barentssee bis in die Biscaya als einen gemeinsamen Bestand. Fänge vor der spanischen Küste (ICES Gebiet IX) gehören möglicherweise ebenfalls zum Nordostatlantischen Bestand, werden hier aber vermehrt mit anderen Dornhai-Arten vermischt gefangen. Beziehungen zu den Populationen im Mittelmeer sind unklar. [865] [866]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2013: 0,33; davon 76% von Norwegen als Beifang in Kiemennetzen, mit Langleinen und in Schleppnetzen
TACs 2006: 1,05 (nur IIa, IV)  2007: 3,7 (teilweise Beifangquote)  
2008: 2,6 (Beifangquote)  2009: 1,4  2010: 0,142  (10% 
Beifang von 2009er Quote)  2011: 0  2012: 0  2013: 0  
2014: 0  2015:0  (EU und Int. Gewässer)  [798] [865] [866]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai im Nordostatlantik. Die Anlandedaten der Vergangenheit sind wahrscheinlich durch erhebliche falsch berichtete Fänge sehr unsicher. [177] [865] [866]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Dornhai wurde im Nordostatlantik früher in einer gerichteten Fischerei sowie als Beifang in einer gemischten Schleppnetzfischerei gefangen. Die Fischerei hat sich in den letzten Jahren aber sehr verändert. Die restriktiven Quoten, eine maximale Anlandelänge und Beifangregularien haben dafür gesorgt, dass die gerichtete Fischerei erst stark abgenommen hat und dann eingestellt wurde. Die Anlandungen der letzten drei Jahre sind Beifänge aus der Schleppnetz- und Kiemennetz-Fischerei. Die Anlandungen 2013 wurden vorwiegend von Norwegen (76%) getätigt. Fahrzeuge aus Dänemark, Frankreich, Island, Irland, den Niederlanden, Portugal, Spanien und dem Vereinigten Königreich landeten zwischen 1 und 27 t an. Von den 332 t die 2013 angelandet wurden, stammten 200 t aus der Nordsee und dem Skagerrak/Kattegat (ICES-Gebiete IIIa und IV) und 74 t aus der Barentssee und Norwegischer See (Gebiete I und II). [865] [866]

Beifänge und Rückwürfe

Da es keine gerichtete Fischerei auf Dornhai mehr gibt, ist Dornhai selbst nur Beifang. Seit 2011 müssen alle Fänge soweit möglich unverzüglich und unversehrt ausgesetzt werden. In Norwegen hingegen müssen alle Beifänge angelandet werden, die nicht unverzüglich lebend wieder ausgesetzt werden können. Dornhaie sind relativ robuste Tiere und es gibt eine vergleichsweise hohe Überlebenschance für Rückwürfe. Die Überlebensrate hängt vom Fanggeschirr, der Größe des Fanges und der Holdauer ab. Bei Fangmengen ≥ 200 kg steigt die Sterblichkeit der Rückwürfe. Es gibt Hinweise, dass mit den restriktiven (2010) bzw. entfallenen (ab 2011) Höchstfangmengen die Rückwurfmengen gestiegen sind. Die Rückwurf- und Überlebensraten sind jedoch sehr unsicher. [120] [301] [865] [866]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Da Dornhai nicht direkt befischt wird, und es auch keine Beifangquote mehr gibt, können im Moment keine Einflüsse einer Dornhai-Fischerei auf die Umwelt festgestellt werden. [865] [866]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Dornhaie sind langlebige, langsam wachsende Tiere, die spät geschlechtsreif werden, lange Tragezeiten von etwa 2 Jahren und nur wenige Nachkommen haben. Das macht sie besonders anfällig für Überfischung.
Die Neigung zur Schwarmbildung (getrennt nach Größe und bei reifen Tieren nach Geschlecht) führt zu einer zusätzlichen Gefährdung. Ansammlungen großer Fische, wie z.B. reifer Weibchen, sind besonders leicht zu fangen. [133] [229] [179] [865] [866]

Zusätzliche Informationen

Hauptfangnationen von Dornhai waren traditionell Frankreich, Irland, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Hauptfanggebiete waren immer die Nordsee, die Keltischen Meere und teilweise die Norwegische See.
Nachdem der Bestand im Nordostatlantik zusammengebrochen ist, wurden zunächst im Nordwestatlantik und später in Neuseeland steigende Fänge verzeichnet. [14] [865] [866]

Zertifizierte Fischereien

Es ist keine Dornhaifischerei im Nordostatlantik nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Dornhai wird (nur als Beifang) mit mittleren und großen Fahrzeugen verschiedener Anrainerstaaten gefangen. Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [13] [14]

Literaturquellen Nordostatlantischer Dornhai

  Autor Jahr Titel Quelle
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[31] Ministry of Industries and Innovation, Iceland Informationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation) fish.is
[120] Mandelman JW, Farrington MA 2007 The estimated short-term discard mortality of a trawled elasmobranch, the spiny dogfish (Squalus acanthias) Fisheries Research 83 238–245
[133] OSPAR Commission 2010 Background document for spurdog or spiny dogfish Squalus acanthias ospar.org
[135] Europäische Union 2003 Verordnung (EG) Nr. 1185/2003 des Rates vom 26. Juni 2003 über das Abtrennen von Haifischflossen an Bord von Schiffen europa.eu
[136] Kommission der europäischen Gemeinschaften 2009 Mitteilung der Kommission an das europäische Parlament und den Rat über einen Aktionsplan der Europäischen Gemeinschaft für die Erhaltung und Bewirtschaftung der Haibestände. Brüssel, den 5.2.2009 KOM(2009)40 endgültig europa.eu
[175] Compagno LJV 1984 FAO Species Catalogue. Vol. 4. Sharks of the world. An annotated and illustrated catalogue of shark species known to date. Part 1 Hexanchiformes to Lamniformes. FAO Fish. Synop. 125 (4/1):1-249
[177] Lack M, Sant G 2008 Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[179] Anonymus 2009 CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010 CITES.org
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[301] Directorate of fisheries, Norwegen Regulations relating to seawater fisheries fiskeridir.no
[798] Europäische Union (EU) 2015 Verordnung (EU) 2015/104 des Rates vom 19. Januar 2015 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Unionsschiffe in bestimmten Nicht-Unionsgewässern (2015) und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 43/2014 sowie zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 779/2014 europa.eu
[865] ICES 2014 Report of the Advisory Committee, 2014. Book 9. Widely Distributed and Migratory Stocks. 9.3.26. Spurdog (Squalus acanthias) in the Northeast Atlantic ices.dk
[866] ICES 2014 Report of the Working Group on Elasmobranch Fishes (WGEF), 17–26 June 2014, Lisbon, Portugal. ICES CM 2014/ACOM:19. 887 pp. ices.dk
[867] North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC) 2015 Rec 08 2015: Spurdog (Squalus acanthias): Recommendation on Conservation and Management Measures for Spurdog (Squalus acanthias) in the NEAFC Regulatory Area for 2015 and 2016 neafc.org