springe zum Inhalt

Fischbestände
Online

Dornhai auf dem Neufundland-Labradorschelf

gültig 04/2016 - 04/2017

Ökoregion:
Neufundland-Labradorschelf, Scotian Schelf
Fanggebiet:
Nordwestatlantik: Kanada FAO 21
Art:
Squalus acanthias

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Fisheries and Oceans Canada (DFO), http://www.dfo-mpo.gc.ca/ (Centre for Scientific Advice (CSA), Maritimes Region)

Methode, Frequenz

Die Anzahl der Dornhai-Bestände im Nordwestatlantik ist unklar, zurzeit wird von mindestens zwei Komponenten ausgegangen, die sich teilweise mischen. Begutachtung und Bewirtschaftung erfolgen getrennt durch die USA und Kanada; eine grenzübergreifende Bestandsberechnung ist bislang nicht gelungen. Die Modelle beider Länder hatten signifikante Schwächen; Kanada hat sein Populationsmodell nun weiter entwickelt. In die Bestandsberechnungen gehen Fischereidaten sowie die Ergebnissen von Forschungsreisen ein. Das Modell bezieht US-Daten mit ein und ist daher von ihrer Verfügbarkeit abhängig. Es sind Referenzwerte nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages festgelegt (MSY). Sie beziehen sich auf die Häufigkeit erwachsener Weibchen (SSN): SSNmsy ist der obere Referenzwert, 65% von SSNmsy der untere, die dazugehörige fischereiliche Sterblichkeit ist FSSNmsy. Die vollständige Berechnung wird voraussichtlich alle fünf Jahre stattfinden, Aktualisierungen zum Bestandszustand sollen jährlich erfolgen. [115] [161] [431] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011] [873] [900]

Wesentliche Punkte

2016: Im April 2016 wurde der jährlich geplante Update-Report für Dornhai auf dem Neufundland-Labradorschelf veröffentlicht. Aufgrund fehlender Daten aus US-Gewässer ist derzeit jedoch keine Einordnung des Bestandes in Bezug auf die Referenzwerte möglich, und eine Fangempfehlung wird nicht abgegeben. Eine Lösung dieser Probleme wird aber in naher Zukunft erwartet. Die letzte Berechnung im Oktober 2014 sah den Bestand nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages im grünen Bereich. Die Anlandungen sind in Kanada noch immer sehr niedrig (2014: 54 t). Der aktuelle FAO-Report zum Status der Fischbestände (SOFIA-2014) nennt Dornhai im Nordwestatlantik weiterhin als einen Bestand, der in der letzten Dekade aufgrund guten Managements Zeichen der Erholung zeigt. [158] [871] [873] [900] [DFO, persönliche Mitteilung, Mai 2016]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Aufgrund fehlender Daten ist derzeit keine Einordnung des Bestandes in Bezug auf Referenzwerte möglich. Der Bestandszustand ist daher hinsichtlich Laicherbiomasse und Fischereidruck unbekannt.

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Zwischen 1962 und 1965 wurde Dornhai aus dem Nordwestatlantik hauptsächlich von der kommerziellen Fischerei der USA angelandet. Danach, 1966-1977 dominierten ausländische Flotten aus Russland und Europa mit Anlandungen von bis zu 25.000 t pro Jahr. Nach Einrichtung und Ausweitung der ausschließlichen Wirtschaftszone wurden die Anlandungen ausländischer Flotten minimal. Der Nordwestatlantische Dornhai wurde nun hauptsächlich von den USA gefischt und galt als moderat genutzter Bestand. Mit dem Rückgang anderer kommerziell genutzter Fischbestände und dem Zusammenbruch des Dornhaibestandes im Nordostatlantik wuchs die Nachfrage nach Dornhai aus kanadischen und besonders aus US-Gewässern. Die Anlandungen stiegen zwischen 1987 und 1996 erneut auf jährlich bis zu 28.000 t (hauptsächlich USA). Diese enorm gestiegenen Fänge kombiniert mit der gezielten Entnahme von großen Weibchen führten zu einer Abnahme des Bestandes. Im April 1998 wurde der Bestand vom National Marine Fisheries Service (NMFS, USA) als überfischt deklariert und man begann mit der Entwicklung der Managementpläne. Ab 2001 zeigten die Regulierungen Wirkung und die Anlandungen in den USA nahmen stark ab. Parallel dazu stiegen die Anlandungen in Kanada bis 2007 an. Nach der MSC-Zertifizierung der US-Fischerei verlor die Kanadische Dornhai-Fischerei ihren Zugang zum europäischen Markt und die Anlandungen gingen wieder stark zurück. Aufgrund fehlender Daten ist der Bestandszustand derzeit hinsichtlich Laicherbiomasse und Fischereidruck unbekannt. [117] [161] [158] [873]

Ausblick

Derzeit gibt es große Unsicherheiten in den eingehenden Daten. Es fehlen Informationen zur Fangzusammensetzung in US-Fischereien in den letzten Jahren. Eine Fangempfehlung kann daher nicht gegeben werden, die frühere Fangempfehlung war möglicherweise zu optimistisch. Eine Vorhersage über die Entwicklung der Fangmöglichkeiten ist daher ebenfalls nicht möglich. [873] [900]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Auf dem Scotian Schelf sind Dornhaie mit Bodenwassertemperaturen zwischen 0 und 12°C assoziiert, wobei 6-11°C die bevorzugten Temperaturen zu sein scheinen. [157] [873]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Der Bestand im Nordwestatlantik wird von den USA und Kanada separat bewirtschaftet. In Kanada ist DFO (Fisheries and Oceans Canada) für das Fischereimanagement zuständig. Dornhai wird mit anderen Grundfischen im Rahmen eines integrierten Managementplanes bewirtschaftet. Vor 2002 waren die Fänge in Kanada nicht reguliert. Seither gibt es eine Quotierung, die aber nicht auf wissenschaftlichen Daten und Fangempfehlungen, sondern auf der Fanghistorie basiert. Sie betrug zunächst 3.200 t und wurde für 2004 bis 2013 auf 2.500 t reduziert. Eine Regulierung von Beifängen und Rückwürfen erfolgte nicht, für 2014/15 wurde aber neben der erlaubten Höchstfangmenge von 5.000 t zusätzlich eine Beifangmenge von 5.000 t festgelegt. Die Fischerei wird außerdem über Beobachter auf See und ein Monitoringprogramm kontrolliert. [158] [162] [DFO, persönliche Mitteilung, Jan. 2011] [873] [900]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Lange konnte wegen fehlender Bestandsberechnung von wissenschaftlicher Seite keine Fangempfehlung gegeben werden. 2014 ermöglichte das neue Modell eine Fangempfehlung für den ganzen Bestand sowie den entsprechenden kanadischen Anteil. Aufgrund fehlender Daten kann aktuell wieder keine Empfehlung gegeben werden, die frühere Fangempfehlung war möglicherweise zu optimistisch. Die Höchstfangmengen werden allerdings seit vielen Jahren nicht annähernd ausgefischt. [158] [873] [900]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Der Dornhai im Nordwestatlantik zerfällt in mindestens zwei Komponenten, die sich vor allem durch saisonale Nord-Süd Wanderungen der US-Komponente mischen können. Er ist zwischen Labrador (Kanada) und Florida (USA) verbreitet. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in den NAFO-Untergebieten 2-6, zwischen Süd-Neufundland und North Carolina. Das Management erfolgt getrennt durch die USA und Kanada. [115] [116] [873]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2014: 0,054; vor allem Handleinen, Langleinen und Kiemennetze, (2013: 0,006 kt)
TACs 2008/09: 2,5   2009/10: 2,5   2010/11: 2,5   2011/12: 2,5  
2012/13: 2,5   2013/14: 2,5   2014/15: 1,25   
2015/16: 5,0 (+5,0 Beifang)   [158] [873]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Dornhai im Nordwestatlantik. Die erlaubten Höchstfangmengen sind seit Jahren nicht restriktiv. [177] [873]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

2013 wurden die meisten Fänge in der Bay of Fundy, Südwest-Nova Scotia und vor Halifax im Sommer getätigt. Hauptfangeräte sind Hand- und Langleinen, gefolgt von Kiemennetzen. Es gibt eine gerichtete Fischerei, sowie Beifänge aus anderen Fischereien. [157] [873]

Beifänge und Rückwürfe

Vor 1999 überstiegen die Mengen der toten Rückwürfe oft die Anlandemengen, sind inzwischen aber stark zurückgegangen. Kanada gibt von 1987 bis 2007 als jährliches Mittel 850 t tote Rückwürfe an, 2008 bis 2012 waren es 400 t pro Jahr, 2013 300 t, 2014 100 t. Dornhaie sind relativ robuste Tiere und es gibt eine vergleichsweise hohe Überlebenschance für Rückwürfe. Die Überlebensrate hängt vom Fanggeschirr und Größe des Fanges ab. Bei Fangmengen ≥ 200 kg steigt die Sterblichkeit der Rückwürfe. Da nur ein geringer Preis erzielt wird und die Handhabung an Bord aufwändig ist, werden Dornhaie oft zurückgeworfen, wenn wertvollerer Fang zur Verfügung steht. Für 2014/15 wurde neben der erlaubten Höchstfangmenge von 5.000 t zusätzlich eine Beifangmenge von 5.000 t festgelegt. [120] [873]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Dornhai-Fischerei findet hauptsächlich mit Kiemennetzenn und Langleinen statt. Beide Geräte haben kaum einen Einfluss auf den Meeresboden. Beim Einsatz von Kiemennetzen kann es zum Beifang von Meeressäugern und Schildkröten kommen, Langleinen können Seevögel beifangen. [30] [122] [873]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Der Dornhaibestand im Nordwestatlantik der USA und Kanada ist genetisch nicht zu trennen, es ist aber eine räumliche Strukturierung von Populationen zu erkennen. Es gibt ortsgebundene Komponenten in den nördlichen Gebieten sowie grenzüberschreitende wanderende Komponenten. In kanadischen Gewässern finden saisonale Wanderungen von küstennah zu küstenfern statt. In US-Gewässern finden vor allem Wanderung in Nord-Süd Richtung statt, wobei einige Komponenten im Frühjahr/Sommer in kanadische Gewässer einwandern und im Herbst/Winter zurück. Der Bestand ist also in saisonal variierenden Mengen in US- und kanadischen Gewässern verbreitet. Die größte Biomasse des Bestandes kommt aber in US-Gewässern vor. [115] [873]

Zusätzliche Informationen

Dornhaie sind langlebige, langsam wachsende Tiere, die spät geschlechtsreif werden, lange Tragezeiten von etwa 2 Jahren und nur wenige Nachkommen haben. Dadurch entsteht eine direkte Beziehung zwischen Anzahl erwachsener Weibchen und Nachwuchsproduktion, was sie besonders anfällig für Überfischung macht. [115] [116] [161]

Zertifizierte Fischereien

Keine Dornhaifischerei im kanadischen Gebiet des Nordwestatlantiks ist nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischerei erfolgt hauptsächlich durch einheimische Fahrzeuge, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach kanadischen Regeln. [14] [161]

Bestandsübersicht Dornhai (2 Arten)

Marktdaten

2015 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 318 t (2014: 167 t), Marktanteil: 0,03% (2014: 0,02%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Golf v. Alaska (NOP: Kanada, NOP: Alaska) 2,0 - ? ? (small) ? (small) nach Vorsorgeansatz 05/2012 - 12/2012
Kalifornienstrom (NOP: USA) - 1,2 ? ?+ (small) ? (small) nach Vorsorgeansatz 05/2012 - 12/2012
Neuf.-Labr. (NWA: Kanada) 0,1 - ? ? (small) ? (small) 04/2016 - 04/2017
Neuseeland 6,3 - ? ? (small) ? (small) 06/2015 - 06/2016
Nordostatlantik 0,3 - 296,1 – (small) + (small) keine gezielte Fischerei 10/2016 - 10/2018
Strait of Georgia (NOP: Kanada) 0,3 - ? ? (small) ? (small) nach Vorsorgeansatz 05/2012 - 12/2012
US-Schelf (NWA: USA) 10,7 16,5 139,0 + (small) + (small) Mgmt.plan seit 2000/2003 10/2015 - 09/2016

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Dornhai auf dem Neufundland-Labradorschelf

  Autor Jahr Titel Quelle
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[115] Transboundary Resources Assessment Committee (TRAC) 2010 Transboundary Resources Assessment Committee. Northwest Atlantic Spiny Dogfish. TRAC Status Report 2010/2 nefsc.noaa
[116] Northeast Fisheries Science Center (NEFSC) 2006 Northeast Fisheries Science Center. 43rd Northeast Regional Stock Assessment Workshop (43rd SAW): 43rd SAW assessment report. US Dep Commer, Northeast Fish Sci Cent Ref Doc 06-25; 400 p nefsc.noaa.gov
[117] Mid-Atlantic Fishery Management Council (MAFMC), New England Fishery Management Council (NEFMC), National Marine Fisheries Service (NMFS) Fishery Management Plans: Spiny Dogfish mafmc.org
[120] Mandelman JW, Farrington MA 2007 The estimated short-term discard mortality of a trawled elasmobranch, the spiny dogfish (Squalus acanthias) Fisheries Research 83 238–245
[122] Mid-Atlantic Fishery Management Council (MAFMC), National Marine Fisheries Service (NMFS) 2010 2010 Spiny Dogfish Specifications, Environmental Assessment, Regulatory Impact Review, and Initial Regulatory Flexibility Analysis nero.noaa.gov
[157] Campana SE, Gibson AJF, Marks L, Joyce W, Rulifson R, Dadswell M 2007 Stock structure, life history, fishery and abundance indices for spiny dogfish (Squalus acanthias) in Atlantic Canada Canadian Science Advisory Secretariat, Research Document 2007/089
[158] Fisheries and Oceans Canada, DFO Homepage: Fisheries and Oceans Canada DFO-Kanada
[161] Wallace SS, McFarlane GA, Campana SE, King JR 2009 28. Status of Spiny Dogfish in Atlantic and Pacific Canada Galucci VF, MCFarlane GA, Bargmann GG Herausgeber, Biology and Management of Dogfish Sharks, American Fisheries Society, Bethesda Maryland, 313-334
[162] Fisheries and Oceans Canada, DFO 2010 National Plan of Action for the Conservation and Management of Sharks (NPOA-Sharks) www.dfo-mpo
[177] Lack M, Sant G 2008 Illegal, unreported and unregulated shark catch: A review of current knowledge and action Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts and TRAFFIC, Canberra
[431] Kulka D, Rivard D, Scott I 2012 MSC Certification, The United States atlantic fishery for Spiny Dogfish (Squalus acanthias) msc.org
[871] Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) 2014 The State of World Fisheries and Aquaculture The State of World Fisheries and Aquaculture 2014. Rome. 223 pp.
[873] Fisheries and Oceans Canada (DFO) 2016 Northwest Atlantic Spiny Dogfish stock status update report. DFO Can. Sci. Advis. Sec. Sci. Resp. 2016/019
[900] Fisheries and Oceans Canada (DFO) 2014 Assessment of Spiny Dogfish in the Northwest Atlantic. DFO Can. Sci. Advis. Sec. Sci. Advis. Rep. 2014/055