springe zum Inhalt

Fischbestände
Online

Flunder in der südlichen Ostsee (ICES-Gebiete 24 & 25)

gültig 05/2016 - 05/2017

Ökoregion:
Ostsee
Fanggebiet:
Ostsee (22-32) FAO 27
Art:
Platichthys flesus

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Es gibt keine analytische Bestandsberechnung für diesen Bestand. Hauptgründe sind das Fehlen von entsprechenden Eingangsdaten (u.a. biologische Einzelfischdaten wie Alter und Gewicht). Referenzpunkte sind nicht definiert. Zwei unabhängige Forschungsreisen zur Erfassung der Grundfische lassen grobe Aussagen über die Bestandsentwicklung zu und bilden die Basis der nummerischen Fangempfehlung des ICES. [748] [917] [926]

Wesentliche Punkte

2016: Der Bestands-Indikator für Flunder in der südlichen Ostsee (verbreitet in den Gebieten 24 und 25) ist weiter deutlich gestiegen. [917]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen nicht vor. Der aus den Einheitsfängen der jährlichen Forschungsreisen abgeleitete Bestands-Indikator steigt weiter an. 2014 wurden die bisher höchsten Anlandungen aus diesem Bestand getätigt. Der größere Anteil der Anlandungen (2015 82%) stammt aus ICES-Gebiet 25. [917]

Ausblick

Der Bestand scheint die derzeitige Fischereiintensität zu verkraften und wächst sogar an. Daher können auch die Fangmengen steigen. Ein erheblicher und sehr variabler Teil der Fänge wird verworfen. Eine Reduzierung der Rückwürfe würde eine weitere deutliche Erhöhung der Anlandungen ermöglichen. Flunder ist nicht quotiert und wird deshalb auch vorerst nicht unter das Anlandegebot der EU fallen. [917]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Erfolg der Nachwuchsproduktion der Ostsee-Flunder variiert stark mit den hydrographischen Bedingungen im Laichgebiet. Der Salzgehalt spielt eine wichtige Rolle für die Aktivität der Spermatozoen und die Schwebfähigkeit der Eier. Für die Flundern in den Gebieten 24 und 25 muss der zur Reproduktion geeignete Wasserkörper einen Salzgehalt von mindestens 12 und einen Sauerstoffgehalt von mindestens 2 ml/l aufweisen. Siehe dazu auch unter „Biologische Besonderheiten“. [917] [926]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Es gibt kein gemeinsames Management für die Flunder in der südlichen Ostsee. Höchstfangmengen (TACs) werden nicht festgelegt. Die Bewirtschaftung dieses Bestandes erfolgt nur durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten und Mindestanlandelängen) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. Gebietsschließungen). Ein neuer Managementplan für Dorsch und alle pelagischen Bestände der Ostsee, der Beifänge von Flundern berücksichtigt, wird voraussichtlich noch 2016 in Kraft treten. [206] [917] [926]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2015 gab es die erste Anlandeempfehlung für diesen 2014 neu definierten Bestand, sie lag über den Anlandungen der letzten Jahre und wurde 2015 nicht erreicht. Für 2016 und 2017 wird nun eine Empfehlung für den Gesamtfang gegeben. Ohne Festsetzung einer Höchstfangmenge wird es keine Differenzen zwischen wissenschaftlicher Empfehlung und Management geben. [917]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Flunder in der südlichen Ostsee ist in den ICES Gebieten 24 und 25 verbreitet. Das Management begrenzt die Fangmengen nicht. [748] [917]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang 2015: 17,1; (11,1 Anlandungen plus 6,0 Rückwürfe); von den Anlandungen: Grundschleppnetze 83%, passive Geräte (Kiemenetze) 17%
TAC sind nicht festgelegt [917]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Flunder aus der südlichen Ostsee – wegen der fehlenden Fangmengenlimitierung wäre dies auch kaum erklärlich. [917] [926]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Flunder in der südlichen Ostsee wird von den meisten Ländern hauptsächlich als Beifang in der Fischerei auf Grundfische (Dorsch und Plattfische) gefangen. In Polen und Deutschland gibt es jedoch auch eine gerichtete Fischerei. Zum Einsatz kommen überwiegend Grundschleppnetze, seltener Kiemennetze (Stellnetze). [917] [926]

Beifänge und Rückwürfe

Flunder ist selbst überwiegend Beifang. Die Menge der bekannten Rückwürfe betrug 2014 29% des Gesamtfanges (bezogen aufs Gewicht), 2015 waren es 34%. Die Rückwurfraten unterscheiden sich je nach Land, Fanggebiet, Schiff und einzelnem Fang. Es gibt eine hohe Variabilität zwischen den Jahren; die Rückwurfmenge hängt u.a. von der Größe der gefangenen Tiere und dem Erlös ab. Mit niedrigen Preisen steigt die Rückwurfmenge. Die Überlebensrate der zurückgeworfenen Flundern ist nicht hinreichend bekannt. Frühere Studien ergaben unterschiedliche Überlebensraten in Abhängigkeit u.a. von Fanggerät, -dauer, -größe, -zusammensetzung und Wassertemperatur. Sie variieren zwischen 20 und 100%. [917] [926]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [30] [97] [208]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Es werden zwei Laichergruppen von Flundern in der Ostsee unterschieden: Eine laicht im flachen Wasser, mit Eiern, die sich mit Bodenkontakt entwickeln (vor allem in der zentralen und nördlichen Ostsee). Die Eier der zweiten Gruppe werden in tieferem Wasser abgelaicht und entwickeln sich in der freien Wassersäule (pelagisch). Die Flunder in der südlichen Ostsee hat freischwebende Eier. Laichgebiete dieses Bestandes sind das Arkona- und Bornholmbecken sowie die Stolper Rinne. Aufwuchsgebiet für die Jungtiere sind die flachen küstennahen Gebiete; hier können sie von den Forschungsreisen kaum erfasst werden. [748] [917] [926]

Zusätzliche Informationen

Flunder ist wegen einer vergleichsweise hohen Toleranz gegenüber variablen Salzkonzentrationen der in der Ostsee am weitesten verbreitete Plattfisch. [917] [926]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Flunder in der Ostsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

Bestandsübersicht Flunder

Marktdaten

2015 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 1.676 t (2014: 2.137 t), Marktanteil: 0,2% [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Belte & Sund (22, 23) 1,1 1,4 ? ? (small) ? (small) 05/2016 - 05/2017
Nordsee (IIIa, IV) 1,9 3,3 ? ? (small) ? (small) TAC mit Kliesche 06/2015 - 06/2017
nördl. Ostsee (27, 29-32) 0,2 - ? ? (small) ? (small) 05/2016 - 05/2017
südl. Ostsee (24, 25) 11,1 17,1 ? ? (small) ? (small) 05/2016 - 05/2017
Östl. Gotland & Danziger Bucht (26,28) 4,4 5,4 ? ? (small) ? (small) 05/2016 - 05/2017

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Flunder in der südlichen Ostsee (ICES-Gebiete 24 & 25)

  Autor Jahr Titel Quelle
[12] Europäische Gemeinschaften 2009 Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzer ec.europa.eu
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[97] Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S 2009 Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206] Europäische Union (EG) 2005 Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98 europa.eu
[208] Bellebaum, J 2011 Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[748] ICES 2014 Report of the Benchmark Workshop on Baltic Flatfish Stocks (WKBALFLAT), 27–31 January 2014, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2014/ACOM:39. 320 pp. ices.dk
[917] ICES 2016 Report of the Advisory Committee, 2016. Baltic Sea Ecoregion. 8.3.8 Flounder (Platichtys flesus) in subdivisions 24 and 25 (west of Bornholm and southwestern central Baltic) ices.dk
[926] ICES 2016 Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 12-19 April 2016, ICES HQ, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2016/ACOM:11. 593 pp. ices.dk