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Fischbestände
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Nordsee-Sprotte

gültig 06/2016 - 06/2017

Ökoregion:
Nordsee
Fanggebiet:
Nordsee (4) FAO 27
Art:
Sprattus sprattus

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

In die Berechnungen gehen Fangdaten und drei unabhängige wissenschaftliche Forschungsreisen ein. Um den Lebenszyklus der Sprotten besser abzubilden und damit das Ergebnis der Berechnung präziser zu machen, sind Begutachtungsjahr und Empfehlungszeitraum nicht auf ein Kalenderjahr (Januar bis Dezember), sondern auf Juli bis Juni des Folgejahres bezogen. Nach Vorsorgeansatz sind zwei Referenzwerte für die Laicherbiomasse festgelegt (Blim und Bpa). Nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) sind Referenzwerte für Laicherbiomasse und fischereiliche Sterblichkeit definiert (modifiziert für kurzlebige Arten: Fcap und MSY-Bescapement). Sie sind Basis für die Fangempfehlung, Fcap findet aber keine Anwendung für die Klassifizierung des Bestandes nach MSY. [925] [930]

Wesentliche Punkte

2016: Die Anlandungen 2015 haben sich im Vergleich zum Vorjahr erneut fast verdoppelt. Die Laicherbiomasse hat abgenommen, liegt aber weiterhin im grünen Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit ist erneut gestiegen. [925] [930]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
+ (small)

volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

+ (large)

innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

? (large)

Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Sprotte in der Nordsee ist eine kurzlebige Art, die Biomasse und Fangmöglichkeiten schwanken daher stark. Die Laicherbiomasse schwankt seit vielen Jahren um den Vorsorge-Referenzwert (Bpa) und den Referenzwert nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY). Nach dem hohen Wert von 2014 nimmt sie derzeit ab, liegt aber noch komplett im grünen Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit zeigte seit 2004 einen abnehmenden Trend, hat aber in den letzten zwei Jahren wieder zugenommen. Hohe Beifänge von jungen Heringen in der Industriefischerei haben die tatsächlichen Nordsee-Sprott-Fänge in der Vergangenheit wahrscheinlich verfälscht. Die Fangmengen werden daher erst nach 1996 als verlässlich angesehen. Die Anlandungen 2014 haben sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, 2015 wurde erneut fast eine Verdoppelung erreicht. Die Nachwuchsproduktion 2014 war wahrscheinlich die höchste der gesamten Zeitreihe, 2015 liegt sie wohl über dem Langzeitmittel. [925] [930]

Ausblick

Die angenommene Stärke des 2015er Jahrganges wurde nicht erreicht und die Laicherbiomasse war daher erheblich geringer als vorhergesagt. Die Fangmöglichkeiten (TACs) müssen daher kurzfristig reduziert werden. Empfohlen wird sogar eine Reduzierung des 2016er TACs im laufenden Jahr. Mittelfristige Vorhersagen über die Entwicklung der Fänge sind bei kurzlebigen Arten kaum möglich. [925] [930]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Der Sprott-Bestand in der Nordsee hängt im Wesentlichen von der Verfügbarkeit bestimmter Nahrungsorganismen (Zooplankton) ab. Die Struktur der Zooplankton-Gemeinschaften in der Nordsee verändert sich in den letzten Jahren und die Zooplanktonmenge nimmt in der nördlichen Nordsee ab. Welchen Einfluss diese Umweltveränderungen auf den Bestand der Nordsee-Sprotte haben, ist noch nicht bekannt. [925] [930]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Sprotte in der Nordsee erfolgt durch die EU über eine festgesetzte Höchstfangmenge (TAC), die neben der Nordsee (EU-Gewässer von ICES-Gebiet IV) auch die EU-Gewässer von Gebiet IIa einschließt. Norwegen erhält eine Quote für die EU-Gewässer von Gebiet IV. Der TAC beinhaltet unvermeidbare Beifänge von z.B. Sandaal, Kliesche und Wittling. Für den Beifang von Hering wird eine separate Höchstfangmenge festgelegt (ICES-Gebiete IV, VIId und EU IIa). Außerdem gibt es landesspezifische Regularien, welche die Sprottenfänge limitieren können, wie z.B. saisonale Fangeinschränkungen, ein maximaler Beifanganteil pro Fang oder Anlandung und Maßnahmen zur Verhinderung von fehlberichteten Fängen. [907] [925] [930]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die ersten Fangempfehlungen für diesen Bestand hat der ICES für 2001 abgegeben. Von 2002 bis einschließlich 2005 lagen die festgesetzten Höchstfangmengen (TACs) über den Empfehlungen, die Fänge jedoch meist darunter. 2006 bis 2008 wurde der TAC kleiner bzw. gleich der maximal empfohlenen Menge festgesetzt. Für 2009 und 2010 gab es keine Empfehlung. Obwohl für 2011 eine Reduzierung der Fänge empfohlen wurde, blieb der TAC unverändert hoch. Der TAC für 2012 wurde den Empfehlungen folgend leicht gesenkt, im Laufe des Jahres wurde allerdings eine weitere Reduzierung empfohlen. Die wissenschaftliche Empfehlung gilt seit 2013 für Juli bis Juni des Folgejahres, während der TAC für ein Kalenderjahr festgelegt wird. Die Zahlen sind also nicht mehr direkt zu vergleichen. Der ICES weist aber darauf hin, dass der TAC für 2016 so hoch ist, dass er in der zweiten Jahreshälfte zu einer Überfischung des Bestandes führen würde. Er empfiehlt daher eine Anpassung des 2016er TACs im laufenden Jahr. [925] [930]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Die Nordsee-Sprotte ist vor allem in EU-Gewässern der Nordsee verbreitet (ICES-Gebiet IV). Die geographische Verbreitung des Nordsee-Bestandes und die Verbindung zu benachbarten Beständen werden derzeit diskutiert. Fänge in den norwegischen Fjorden werden nicht zu diesem Bestand gerechnet; genetische Untersuchungen zeigen erhebliche Unterschiede zwischen Sprotten aus den Fjorden und der Nordsee. Die Bewirtschaftung erfolgt über eine Höchstfangmenge, die neben den EU-Gewässern der Nordsee auch Fänge in EU-Gewässern von Gebiet IIa einschließt. [907] [925] [930]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang 2015: 290,4; hauptsächlich pelagische Schleppnetze (vor allem Dänemark), außerdem Ringwaden
TACs (EU-Gewässer IIa & IV, für das Kalenderjahr 2009: 170,0  2010: 170,0  2011: 170,0  2012: 161,5  
2013: 161,5  2014: 144,0  2015: 227,0  2016: 355,5 
[907] [925] [930]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [925] [930]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Nordsee-Sprotte wird hauptsächlich von Dänemark (etwa 90% der Anlandungen) in einer Industriefischerei mit kleinmaschigen Schleppnetzen gefischt. Die meisten Fänge werden in den Untergebieten IVb und IVc getätigt. In der norwegischen Sprott-Fischerei werden Ringwaden und Schleppnetze eingesetzt. Beide Fischereien werden überwiegend für die Produktion von Fischmehl und –öl durchgeführt. Sehr viel kleinere Mengen werden von Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Schweden angelandet. [925] [930]

Beifänge und Rückwürfe

Sprott-Rückwürfe können nicht quantifiziert werden. Sie kamen z.B. in Form von „slipping“ vor (Verwerfen des gesamten Fanges), wenn der erlaubte Anteil von Hering im Fang überschritten war. Kleine Sprotten und mindere Qualität hingegen werden mit dem gesamten Fang in die Fischmehlproduktion gegeben. Seit Januar 2015 gibt es ein generelles Rückwurfverbot in der Sprottenfischerei der Nordsee. Der Beifang von Hering ist in dieser Fischerei nicht vollständig vermeidbar, außer in Jahren mit hoher Sprotten-Häufigkeit und schwacher Herings-Nachwuchsproduktion. Die maximal erlaubten Hering-Beifangmengen wirken daher limitierend auf die Sprott-Fischerei. In der dänischen Sprott-Fischerei (etwa 90% der Anlandungen) kam es 1998-2009 zu 4-11% Herings-Beifang. 2013 und 2014 waren es 8%, 2015 hingegen unter 2%. Außerdem werden in geringeren Mengen Stöcker, Wittling, Schellfisch, Makrele, Kabeljau und Sandaal beigefangen. Da es sich hierbei meist um Jungtiere handelt, ist der Anteil am Gewicht zwar gering, kann aber aus einer großen Anzahl von Individuen bestehen. Bis 1997 kam es je nach Gebiet zu hohen Beifängen von jungen Heringen, die für den Heringsbestand problematisch waren. Um diese zu reduzieren, wurde ein Limit für Herings-Beifang in der Industriefischerei und Verbesserungen der Fangmethoden und der Kontrolle der Artzusammensetzung bei der Anlandung eingeführt. [750] [925] [930]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Die Sprotte ist ein wichtiger Nahrungsorganismus im Ökosystem Nordsee, im Winter z.B. für viele Seevögel, wenn der dann im Boden vergrabene Sandaal nicht verfügbar ist. Der Einfluss der Sprott-Fischerei auf andere Fischarten, Meeressäuger und Seevögel ist derzeit aber noch nicht quantifizierbar. Die Fischerei wird hauptsächlich mit pelagischen Schleppnetzen durchgeführt, die den Meeresboden kaum beeinflussen (weil sie ihn in der Regel nicht berühren). [30] [925] [930]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Die Nordsee-Sprotte hat eine sehr ausgedehnte Laichzeit vom Frühlingsanfang bis in den Spätherbst, die von der Wassertemperatur gesteuert wird. Gelaicht wird in mehreren Schüben, bis zu zehn Schübe sind pro Laichsaison möglich. [925] [930]

Zusätzliche Informationen

Die Sprotte ist in der Nordsee kurzlebig (max. Alter ca. 3 Jahre), gefangen werden fast ausschließlich 1-2 Jahre alte Fische. Die Bestandsgröße und Fangmöglichkeiten hängen daher überwiegend vom Einwachsen des letzten Jahrgangs in die Fischerei ab. [925] [930]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Sprotte in der Nordsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Eine Fischerei befindet sich im Bewertungsverfahren nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). [4] Siehe
http://www.msc.org/track-a-fishery/fisheries-in-the-program/in-assessment/north-east-atlantic/dfpo-and-dppo-north-sea-skagerrak-and-kattegat-sandeel-sprat-and-norway-pout/

Soziale Aspekte

Die Sprott-Fischerei in der Nordsee wird hauptsächlich von Dänemark durchgeführt (etwa 90% der Anlandungen). Die 2007 in Dänemark eingeführte Quotenregelung ermöglicht den Handel bzw. den Verkauf der Quoten. Viele kleinere Fahrzeuge sind aus der Fischerei ausgeschieden und haben ihre Quoten an größere Fahrzeuge verkauft; die dänische Flotte ist daher von großen Fahrzeugen dominiert. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgen nach Landesregeln. [925] [930]

Bestandsübersicht Sprotte

Marktdaten

2016 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 3.637 t (2015: 1 t), Marktanteil: 0,4% (2015: unter 0,1%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Nordsee (IV) 290,4 290,4 208,9 + (small) ? (small) 06/2016 - 06/2017
Ostsee (22-32) 246,5 246,5 1.289,0 + (small) + (small) 05/2017 - 05/2018
Schwarzes Meer 58,4 - 277,7 ? (small) + (small) Begutachtung 2015, nächste im Sep. 2017 10/2015 - 12/2017
Skagerrak/Kattegat (IIIa) 8,2 8,2 ? ? (small) ? (small) 04/2017 - 04/2018
kelt. See, westl. Schottl. (6, 7.a-cfk) 6,9 6,9 ? ? (small) ? (small) 06/2017 - 06/2018
Ärmelkanal (7.de) 3,3 3,3 ? ? (small) ? (small) 06/2017 - 06/2018

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Nordsee-Sprotte

  Autor Jahr Titel Quelle
[4] Marine Stewardship Council (MSC) Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei msc.org
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[750] Europäische Union (EU) 2013 Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rates europa.eu
[907] Europäische Union (EU) 2016 VERORDNUNG (EU) 2016/72 DES RATES vom 22. Januar 2016 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2016 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern und zur Änderung der Verordnung (EU) 2015/104 europa.eu
[925] ICES 2016 Report of the Advisory Committee, 2016. Greater North Sea and Celtic Seas ecoregions. 6.3.51 Sprat (Sprattus sprattus) in Subarea 4 (North Sea) ices.dk
[930] ICES 2016 Report of the Herring Assessment Working Group for the Area South of 62˚N (HAWG), 29 March-7 April 2016, ICES HQ, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2016/ACOM:07. 867 pp. ices.dk