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Fischbestände
Online

Schwarzer Heilbutt West-Grönland

gültig 06/2016 - 06/2017

Ökoregion:
Westgrönlandschelf
Fanggebiet:
West-Grönland (NAFO 0, 1) FAO 21
Art:
Reinhardtius hippoglossoides

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Wissenschaftlicher Rat (Scientific Council) der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO), http://www.nafo.int/

Methode, Frequenz

Die hier zusammengefassten Bestandskomponenten des Schwarzen Heilbutts vor West-Grönland sind in den ausschließlichen Wirtschaftszonen von Kanada und Grönland verbreitet. Die Begutachtungen mit Fangempfehlung werden im Auftrag dieser Staaten von der NAFO (Northwest Atlantic Fisheries Organization) bisher jährlich durchgeführt, Fangempfehlungen werden in Zukunft ggf. alle zwei Jahre gegeben. Es gibt keine analytische Bestandsberechnung. Anlandedaten und Biomasseinformationen für einzelne Gebiete (Forschungsfahrten und kommerzielle Daten) sind verfügbar, daraus werden Biomasse-Indices berechnet. Die Berechnung ist als datenlimitiert klassifiziert und mit relativ hoher Unsicherheit behaftet. Die Beurteilungen und Empfehlungen werden für eine nördliche Komponente (0A, 1A offshore, 1B) sowie eine südliche Komponente (0B, 1C-F) getrennt abgegeben. Für die Biomasse ist ein vorläufiger Limit-Referenzwert festgelegt (Blim). Er entspricht 30% der mittleren Biomasse aus verschiedenen Forschungsfahrten (NAFO-Gebiete 1CD 1997-2012, 0A 1999-2012). [540] [706] [707]

Wesentliche Punkte

2016: Die Biomasse der Bestandskomponenten ist weitestgehend stabil, mit leicht steigendem Trend in den letzten Jahren. Sie liegt weit über dem Limit-Referenzwert (Blim). Die Fangempfehlung wurde diesmal für zwei Jahre ausgesprochen, die nächste Empfehlung wird dann erst 2018 abgegeben. [540] [706] [707]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

1982-1989 lagen die Anlandungen zwischen 3.000 und 4.500 t. Durch eine Erhöhung des Aufwands vor allem der russischen Flotte und einer neuen Schleppnetzfischerei von Kanada und Norwegen stiegen die Anlandungen im Jahr 1992 auf 18.000 t. Die nach einer Abnahme seit 2001 erneut steigenden Anlandungen sind wieder auf erhöhten Fischereiaufwand in wechselnden Gebieten zurückzuführen. Der Biomasse-Index in Gebiet 0B ist 2013 bis 2015 gestiegen, liegt aber noch unter dem hohen Wert von 2011. In Gebiet 1CD sank der Index seit 2011 und zeigte 2014 den niedrigsten Wert seit 1997, stieg aber 2015 über den Mittelwert der Zeitserie. Der Biomasse-Index in 0A und 1AB ist variabel, mit einem steigenden Trend seit 2010. [706] [707]

Ausblick

Aufgrund der Stabilität bzw. leichter Anstiege von Biomasseindex und Einheitsfängen (CPUE) könnten die erlaubten Fangmengen wieder leicht erhöht werden. [706]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Eine Studie aus 2015 hat gezeigt, dass die Jahrgangsstärke und Häufigkeit von Schwarzem Heilbutt vor Westgrönland wahrscheinlich von verschiedenen Umweltbedingungen beeinflusst wird. [706]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Das Management der nördlichen (Gebiete 0A, 1AB) und südlichen (0B, 1C-F) Bestandskomponenten erfolgt gemeinsam von Kanada und Grönland über zwei nach Nord- und Süd-Komponente getrennte Höchstfangmengen (TACs). Die Fischerei findet in den jeweiligen Hoheitsgewässern statt und folgt somit den Gesetzen und Regularien der beiden Länder. Norwegen und die EU (ausschließlich für Deutschland) haben Fangrechte in NAFO Gebiet 1. [707] [907]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit 2002 wird die Empfehlung für die nördliche (Gebiete 0A, 1AB) und die südliche Komponente (Gebiete 0B, 1C-F) getrennt gegeben. Die festgesetzten Höchstfangmengen (TACs) entsprechen seitdem diesen wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Fangmengen lagen meist streng innerhalb dieser Vorgaben, waren 2014 und 2015 jedoch etwas höher. [706] [707]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Schwarzer Heilbutt in den NAFO-Gebieten 0 und 1 (Davisstraße) besteht aus verschiedenen Komponenten eines Bestandes, der bis in das Gebiet 3 verbreitet ist. Das Management erfolgt für die Gebiete 0, 1A offshore, 1B-F gemeinsam durch Kanada und Grönland. Gebiet 1F ist zum Teil internationales Gewässer. [279] [706]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang Anlandungen 2015: Summe: 32,0; davon in Gebiet 0 (47% der Anlandungen): ~55% Schleppnetze, ~44% Kiemennetze
TACs (Summe) 2008: 24,0  2009: 24,0  2010: 27,0  2011: 27,0  2012: 27,0  
2013: 27,0  2014: 30,0  2015: 30,0  2016: 30,0  [706] [707]

IUU-Fischerei

Die NAFO führt eine Liste mit Schiffen, die Illegale, nicht gemeldete oder unregulierte Fischerei betreiben (IUU-Liste) und hat diverse Regularien festgelegt, die eine IUU-Fischerei verhindern sollen. Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand. [706] [707] [709]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

In den NAFO-Gebieten 0A und B fischt nur die kanadische Flotte, mit Schleppnetzen (überwiegend Scherbrett-Doppelnetze (Twin Trawling)) und Kiemennetzen. Die Fischerei mit Langleinen landet nur sehr geringe Mengen an. Die Gebiete 1A-F werden neben Grönland von diversen weiteren Nationen befischt, in 1CD ist unter anderem auch die deutsche Flotte tätig. In Gebiet 1 kommen überwiegend Schleppnetze zum Einsatz, außerdem Kiemennetze. [706] [707] [907]

Beifänge und Rückwürfe

Beobachter an Bord vermerkten 2015 folgende Beifänge: Gebiet 0A: 6,7% in der Schleppnetzfischerei, 3,1% in der Kiemennetzfischerei; Gebiet 0B: 16,3% in der Schleppnetzfischerei, 13,1% in der Kiemennetzfischerei. Dominante Beifangarten in der Schleppnetzfischerei sind Haie und Rochen, in Kiemennetzen Grenadierfische und Rochen. Der Beifang in der kommerziellen Schleppnetzfischerei in Gebiet 1CD wurde basierend auf Informationen aus Forschungsreisen im selben Gebiet auf 13% des Gesamtfangs von schwarzem Heilbutt geschätzt (bezogen auf das Gewicht), u.a. Grenadierfische. Die Übertragung der Forschungsdaten auf die kommerzielle Fischerei erfolgte basierend auf einer Reihe von Annahmen, das Ergebnis sollte daher nur als trendanzeigend betrachtet werden. Eine weitere Studie in dem Gebiet zeigte keinen Einfluss auf die Häufigkeit der neun am meisten beigefangenen Arten, es wurde aber eine Abnahme im mittleren Gewicht bei einigen Arten beobachtet. Rückwürfe von schwarzem Heilbutt sind in der Schleppnetzfischerei in Gebiet 1 gering und liegen normalerweise bei unter 1% des Gesamtfanges. [706] [707]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Sie fangen neben den Zielarten auch Arten, die nicht kommerziell genutzt werden und deren Entnahme einen Einfluss auf das Ökosystem haben kann. Auf sandigem Boden konnten allerdings keine großen Veränderungen festgestellt werden. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von z.B. Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Einige Gebiete in der NAFO-Region sind zum Schutz dieser Kaltwasser-Riffe für die Schleppnetzfischerei geschlossen. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist jedoch noch nicht quantifiziert worden. [30] [31] [83] [158] [178] [709]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Schwarzer Heilbutt ist ein besonders großer Plattfisch, der über 1 m lang werden kann. Anders als andere Arten ist er auf beiden Körperseiten pigmentiert und das zweite Auge wandert nicht gänzlich auf die spätere Körperoberseite. Beide Merkmale weisen darauf hin, dass schwarzer Heilbutt nicht nur am Boden lebt, sondern auch in der freien Wassersäule angetroffen werden kann. [31] [229]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf schwarzen Heilbutt in Grönland begann Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in der Disko-Bucht. Hier wurde traditionell der höchste Anteil der grönländischen Fänge getätigt, und die Fänge stiegen fast kontinuierlich bis 2004. Auch heute ist dieses Gebiet durch die Heilbutt-Fischerei geprägt und ein Anziehungspunkt für Touristen. [288]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Schwarzen Heilbutt West-Grönland nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Eine Fischerei befindet sich seit Mai 2016 im Bewertungsverfahren nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). [4] Siehe
http://fisheries.msc.org/en/fisheries/west-greenland-offshore-greenland-halibut/@@view

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren vor allem unter den Flaggen Kanadas und Grönlands. Hinzu kommen norwegische, russische, färöische und EU-Schiffe. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt nach den Regeln der jeweiligen Staaten. In Grönland ist die Fischerei und die anschließende Verarbeitung der Hauptindustriezweig. Zwischen 80 und 90% des jährlichen Exports bestehen aus Fisch und Meeresfrüchten, eine starke Abhängigkeit von der internationalen Preisentwicklung ist die Folge. [13] [31] [288]

Bestandsübersicht Heilbutt, schwarzer

Marktdaten

Für den deutschen Markt sind die Daten für verschiedene Heilbuttarten zusammengefasst. 2015 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 3.087 t (2014: 4.290 t), Marktanteil: 0,3% (2014: 0,4%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Neufundl./Labrador (NAFO 2, 3KLMNO) 26,2 - ? ? (small) ? (small) Anldg. 2010, Bewirtschaftungsregel 06/2016 - 06/2017
Nordost-Arktis (I, II) 22,2 22,2 734,0 ? (small) ? (small) Anlandungen 2014 09/2015 - 09/2017
Ost-Grönland & Island (V, VI, XII, XIV) 25,7 - ? + (small) – (small) 06/2016 - 06/2017
West-Grönland (NAFO 0, 1) 32,0 - ? ? (small) ? (small) 06/2016 - 06/2017
West-Grönland Fjorde (1A inshore) 23,2 - ? ? (small) ? (small) Anlandungen Summe der Gebiete 06/2016 - 06/2017

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Schwarzer Heilbutt West-Grönland

  Autor Jahr Titel Quelle
[4] Marine Stewardship Council (MSC) Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei msc.org
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[31] Ministry of Industries and Innovation, Iceland Informationsseite des isländischen Ministeriums für Industrie und Innovation (Ministry of Industries and Innovation) fish.is
[83] Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM 2002 The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[158] Fisheries and Oceans Canada, DFO Homepage: Fisheries and Oceans Canada DFO-Kanada
[178] FAO Food and Agriculture Organization 2005 FAO. © 2005-2011. World inventory of fisheries. Ghost fishing. Issues Fact Sheets. Text by Andrew Smith. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 27 May 2005. [Cited 10 March 2011]. fao.org
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[279] NAFO Northwest Atlantic Fisheries Organization, Homepage nafo.int
[288] Homepage: Greenland representation to the EU, Brussels eu.nanoq
[540] North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO) Homepage: NAFO Scientific Council Research (SCR) Documents nafo.int
[706] North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO) Homepage: Stock Advice, Summary Sheets nafo.int
[707] North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO) Homepage: NAFO Scientific Council Summary (SCS) Documents nafo.int
[709] North-West-Atlantic-Fisheries-Organisation (NAFO) Northwest Atlantic Fisheries Organization Conservation and Enforcement Measures nafo.int/
[907] Europäische Union (EU) 2016 VERORDNUNG (EU) 2016/72 DES RATES vom 22. Januar 2016 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2016 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern und zur Änderung der Verordnung (EU) 2015/104 europa.eu