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Fischbestände
Online

Ostsee-Scholle (24-32)

gültig 05/2017 - 05/2018

Ökoregion:
Ostsee
Fanggebiet:
Ostsee (22-32) FAO 27
Art:
Pleuronectes platessa

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Die Berechnung für diesen erst vor wenigen Jahren neu definierten Bestand ist noch in der Entwicklung und zeigt nur Trends auf. In die Berechnung gehen Fangdaten und die Daten von zwei unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen ein. Referenzpunkte sind nicht definiert. Es wird eine nummerische Fangempfehlung gegeben, die auf der relativen Biomasse aus einer Bestandsberechnung basiert. [975] [987]

Wesentliche Punkte

2017: Die Trends aus der Bestandsberechnung weisen weiterhin auf eine kontinuierliche Zunahme der Laicherbiomasse hin. Der Bestand entwickelt sich damit besser als der benachbarte Schollenbestand in 21-23. Die bekannten Rückwürfe waren 2016 außergewöhnlich hoch. Dieser hohe Wert geht vor allem auf dänische Trawler in Gebiet 25 im 4. Quartal zurück. [975] [987]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
?+ (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

? (small)

unbekannt (nach Managementplan)

?+ (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

? (large)

unbekannt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Informationen zu Laicherbiomasse, fischereilicher Sterblichkeit und Nachwuchsproduktion liegen vor, sind aber nur relativ und aufgrund der kurzen Zeitreihe sehr unsicher. Die Biomasse hat sich seit 2002 mehr als verfünffacht. Die höchsten Anlandungen aus diesem Schollenbestand wurden Ende der 1970er (1979: 4.530 t) Jahre erreicht. 1993 wurden dagegen nur 80 t angelandet. Ab 1995 kam es wieder zu einem Anstieg und seitdem wurden jährlich zwischen 500 und 1.200 t Scholle aus diesem Bestand angelandet. Die tatsächlichen Fänge dürften rund doppelt so hoch liegen, denn für einige Fischereien sind die Fangmengenbegrenzungen sehr restriktiv und die Rückwurfraten daher hoch. [975] [987]

Ausblick

Bei unveränderter Nachwuchsproduktion dürften die Fangmöglichkeiten weiter steigen. [975] [987]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Verbreitung der Scholle in der Ostsee ist vor allem abhängig vom Salzgehalt. Die Häufigkeit der Art nimmt mit dem Salzgehalt von Westen nach Osten und Norden hin ab. Da die pelagischen (frei schwebenden) Eier der Scholle einen bestimmten Salzgehalt für den erforderlichen Auftrieb benötigen, kann in den östlicheren Gebieten ein erfolgreiches Laichen nur in den tieferen Becken erfolgen. Ausreichend gute Bedingungen sind regelmäßig im Arkona- und Bornholm-Becken zu finden, im Danziger und Gotland-Becken hingegen nur sporadisch nach dem Einstrom von salzhaltigem Nordseewasser. [398] [399] [975] [987]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Scholle in der Ostsee erfolgt durch die EU über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC) für die gesamte Ostsee (EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32). Ein neuer EU-Managementplan für Dorsch und alle pelagischen Bestände der Ostsee, der Beifänge von Schollen berücksichtigt, ist 2016 in Kraft getreten. Seit Januar 2017 gilt ein generelles Rückwurfverbot für Scholle in der Ostsee. Das Management erfolgt außerdem durch technische EU-Verordnungen (z.B. Maschenweiten und Mindestreferenzgrößen für die Bestandserhaltung) und die jeweiligen Landesregeln (z.B. saisonale Gebietsschließungen. [206] [975] [976] [977] [978] [987]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Seit Unterteilung der Schollen in der Ostsee in zwei Bestände 2013 bezieht sich die Fangempfehlung für diesen Bestand auf die ICES-Gebiete 24-32, während die Höchstfangmenge (TAC) weiterhin für die „alten“ Gebiete 22-32 festgelegt wird. Ein Vergleich von Wissenschaft und Management ist also nicht möglich. Die Anlandungen (ab 2016 Fänge) aus diesem Bestand lagen 2013 bis 2016 aber unter der wissenschaftlichen Empfehlung. Die Empfehlung für 2016 und 2017 beziehen sich nun auf den Gesamtfang, nicht mehr auf die Anlandungen. Der ICES übersetzt seit 2016 die bestandsbezogene Fangempfehlung in TACs für die Managementgebiete, auf der Basis der historischen Verteilung der Fänge auf die beiden Managementgebiete. [975] [987]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Der Bestand ist in den ICES-Gebieten 24-32 verbreitet. Die Verbreitung ist vom Salzgehalt abhängig und reicht daher östlich bis in die Danziger Bucht und im Norden ins Gebiet um Gotland. Sporadisch kann die Ostsee-Scholle aber auch noch nördlicher angetroffen werden. Es wird eine Höchstfangmenge (TAC) für die EU-Gewässer der ICES-Gebiete 22-32 festgelegt. Verbreitungs- und Managementgebiet stimmen nicht überein. [975] [987]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang 2016: 1,58, Anlandungen: 0,52 (99,4% aus Gebieten 24 und 25); davon 81% Grundschleppnetze, 19% passive Fanggeräte (Stellnetze); bekannte Rückwürfe: 1,06; davon 98% Grundschleppnetze, 2% passive Fanggeräte (Stellnetze)
TACs (EU-Gewässer 22-32) 2010: 3,0  2011: 3,0  2012: 2,9  2013: 3,4  2014: 3,4  
2015: 3,4  2016: 4,0  2017: 7,9  [975] [976] [987]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Scholle aus der Ostsee. [975] [987]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Scholle wird in der Ostsee (24-32) als Beifang in der Dorsch-Fischerei sowie in der gemischten Plattfisch-Fischerei gefangen. Die Fischerei auf diesen Bestand findet vor allem in der Arkona- und der Bornholmsee (ICES-Gebiete 24 und 25 mit 99,4% der Anlandungen in 2016) statt. Es wird hier jedoch weniger gefangen als in den Gebieten 22 und 23, in denen nach derzeitiger Definition ein anderer Bestand verbreitet ist. Hauptfangnation ist Dänemark, außerdem landen Deutschland (2016: 95 t), Polen und Schweden Ostsee-Scholle an. [975] [987]

Beifänge und Rückwürfe

Scholle ist selbst zum Teil Beifang. Die Menge der Rückwürfe kann sehr hoch sein, vor allem für die Flotten, die keine oder nur eine geringe Schollenquoten haben, vollständige Daten liegen aber nicht vor. 2014 betrug der bekannte Rückwurf von Schollen aus diesem Bestand knapp 50% des Gesamtfanges (bezogen aufs Gewicht), konnte 2015 auf 34% reduziert werden, stieg aber 2016 wieder auf 67% an. Der hohe Wert 2016 geht vor allem auf dänische Trawler in Gebiet 25 im 4. Quartal zurück. Seit dem 1. Januar 2017 ist der Rückwurf von Scholle in der Ostsee generell verboten, durch Fraß beschädigter Fisch ist vom Anlandegebot aber ausgenommen. Es ist noch nicht absehbar, wie sich die Rückwurfzahlen nach Einführung des Anlandegebotes für Ostseescholle verändern. Wahrscheinlich werden sich zumindest 2017 und 2018 die reduzierten Fangmöglichkeiten für Dorsch limitierend auf die Schollenfischerei auswirken. Wie viele Fische den Rückwurf überleben, ist nicht klar, die Überlebensraten hängen stark von den Randbedingungen (Temperatur, Schleppzeit, Fangzusammensetzung usw.) ab. [750] [975] [978] [987]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Potentiell problematisch können Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. Der Einsatz von Baumkurren ist in der Ostsee verboten. [30] [97] [206] [208] [975] [987]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Die Scholle laicht in der Ostsee zwischen Februar und März in den verschiedenen Becken (abhängig vom Salzgehalt). Die Aufwuchsgebiete liegen im Flachwasser bis in etwa 10 m Tiefe. [399] [975] [987]

Zusätzliche Informationen

Es ist mindestens bis 2019 nicht zu erwarten, dass die Schollenquoten die Dorschfischerei beschränken werden. Vielmehr ist zu erwarten, dass die Verfügbarkeit der Dorschquoten in der westlichen Ostsee die Ausschöpfung der Schollenquoten behindern wird. Scholle wird daher nach Einführung des Anlandegebotes zunächst keine fanglimitierende Art („choke species“) sein.
Die deutsche Flotte hat 2016 93 t Scholle aus dem ICES-Gebiet 24 und 2 t aus Gebiet 25 angelandet. Eine größere Rolle spielt für diese Fischerei der Bestand der Scholle in Kattegat, Belten und im Sund (21-23), aus dem größere Mengen angelandet wurden (aus Gebiet 22). [975] [987]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Scholle in Kattegat, Belten und Sund nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Eine Fischerei befindet sich im Bewertungsverfahren nach den Standards des Marine Stewardship Councils (MSC). [4] Siehe
http://fisheries.msc.org/en/fisheries/dfpo-kattegat-and-baltic-plaice/@@view

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [12] [13]

Bestandsübersicht Scholle

Marktdaten

mehrere Arten 2016 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 10.268 t (2015: 8.6650 t), Marktanteil: 1,0 % (mehrere Arten) (2015: 0,9%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Kattegat, Belte, Sund (21-23) 3,0 4,5 13,5 + (small) + (small) 05/2017 - 05/2018
Nordsee & Skagerrak (4, 20) 92,0 136,0 936,8 + (small) + (small) Managementplan ab 2008, ohne Skagerrak 06/2017 - 06/2018
Ostsee (24-32) 0,5 1,6 ? ?+ (small) ? (small) 05/2017 - 05/2018
Westlicher Kanal (7.e) 2,0 2,6 ? + (small) + (small) gemeinsamer TAC für 7.d/e, SSB nur relativ 06/2017 - 06/2018
Östlicher Kanal (7.d) 3,6 6,7 59,7 + (small) + (small) gemeinsamer TAC für 7.d/e 06/2017 - 06/2018

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Ostsee-Scholle (24-32)

  Autor Jahr Titel Quelle
[4] Marine Stewardship Council (MSC) Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei msc.org
[12] Europäische Gemeinschaften 2009 Die Gemeinsame Fischereipolitik. Ein Leitfaden für Benutzer ec.europa.eu
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[97] Zydelis R, Bellebaum J, Österblom H, Vetemaa M, Schirmeister B, Stipniece A, Dagys M, van Eerden M, Garthe S 2009 Bycatch in gillnet fisheries – An overlooked threat to waterbird populations Biological Conservation 142:1269–1281
[206] Europäische Union (EG) 2005 Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates vom 21. Dezember 2005 mit technischen Maßnahmen für die Erhaltung der Fischereiressourcen in der Ostsee, den Belten und dem Öresund, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1434/98 und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 88/98 europa.eu
[208] Bellebaum, J 2011 Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[398] ICES 2010 Report of the ICES/HELCOM Workshop on Flatfish in the Baltic Sea (WKFLABA), 8 - 11 November 2010, Öregrund, Sweden. ICES CM 2010/ACOM:68. 85pp ices.dk
[399] Nissling A, Westin L, Hjerne O 2002 Reproductive success in relation to salinity for three flatfish species, dab (Limanda limanda), plaice (Pleuronectes platessa), and flounder (Pleuronectes flesus), in the brackish water Baltic Sea ICES Journal of Marine Science, 59: 93–108
[750] Europäische Union (EU) 2013 Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rates europa.eu
[975] ICES 2017 Report of the Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS), 19-26 April 2017, Copenhagen, Denmark. ICES CM 2017/ACOM:11. 787 pp. ices.dk
[976] Europäische Union (EU) 2016 VERORDNUNGEN VERORDNUNG (EU) 2016/1903 DES RATES vom 28. Oktober 2016 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee für 2017 und zur Änderung der Verordnung (EU) 2016/72 europa.eu
[977] Europäische Union (EU) 2016 VERORDNUNG (EU) 2016/1139 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 6. Juli 2016 zur Festlegung eines Mehrjahresplans für die Bestände von Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee und für die Fischereien, die diese Bestände befischen, zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2187/2005 des Rates und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1098/2007 des Rates europa.eu
[978] Europäische Union (EU) 2016 DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) Nr. 1396/2014 DER KOMMISSION vom 20. Oktober 2014 zur Erstellung eines Rückwurfplans für die Ostsee europa.eu
[987] ICES 2017 ICES Advice on fishing opportunities, catch, and effort, Baltic Sea Ecoregion, Plaice (Pleuronectes platessa) in subdivisions 24–32 (Baltic Sea, excluding the Sound and Belt Seas) ices.dk