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Fischbestände
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Dornhai (2 Arten)

gültig 11/2016-11/2017

Umriss der Fischart Squalus spp.

Biologische Charakteristika

Seit 2011 werden zwei wesentliche genutzte Dornhaiarten taxonomisch getrennt: Der weltweit verbreitete gewöhnliche Dornhai (Squalus acanthias) und der gefleckte Dornhai (Squalus suckleyi) im Nordpazifik (auch nordpazifischer Dornhai genannt). Beide Arten unterscheiden sich morphologisch und molekularbiologisch. In diesem Artdatenblatt werden beide Arten gemeinsam behandelt, da in der entsprechenden Literatur noch keine getrennten Informationen zur Verfügung stehen.
Haie haben wie auch Rochen ein Skelett aus Knorpel und gehören daher zu den Knorpelfischen. Beide hier behandelten Squalus-Arten besitzen je einen kräftigen Stachel vor den zwei Rückenflossen. Im Wasser sind Dornhaie für den Menschen nicht gefährlich, gefangene Tiere können aber an Land oder Deck durch schnelle Körperbewegungen mit ihren Dornen Verletzungen hervorrufen. Über die Wunde kann ein Gift eindringen, das für die meisten Menschen nur leicht reizend ist, aber in Ausnahmen auch heftige allergische Reaktionen hervorrufen kann.
Dornhaie sind ovovivipar (=aplazental vivipar), das heißt die Jungtiere entwickeln sich zunächst in Eiern, schlüpfen jedoch noch innerhalb des Mutterleibs und liegen danach frei im Eileiter. Tragzeit und Anzahl der Jungen variiert regional und auch mit der Größe des Muttertiers. Würfe können 1-20 Jungtiere enthalten, in der Regel etwa 4-8. Auch die Tragzeit variiert regional zwischen 18 und 24 Monaten. Das Alter bei Erreichen der Geschlechtsreife hängt von Geschlecht und Region ab. Für Weibchen werden 10-35 Jahre, für Männchen 6-14 Jahre angegeben. Die Länge der Jungtiere beträgt bei der Geburt 20-33 cm. Langsames Wachstum, späte Geschlechtsreife und lange Tragzeiten mit wenigen Nachkommen machen diese Arten sehr empfindlich für Überfischung. Die Neigung zur Schwarmbildung (nach Größe und bei reifen Tieren nach Geschlecht) führt zu einer zusätzlichen Gefährdung, da Ansammlungen großer Fische (z.B. reifer Weibchen) besonders leicht zu fangen sind. Die gezielte Entnahme reifer Weibchen und die Verschiebung des Geschlechterverhältnisses haben negativen Einfluss auf die Nachwuchsproduktion.
Dornhaie leben vor allem im Meerwasser, können aber Brackwasser tolerieren. Oft sind sie in Buchten und Ästuaren zu finden, wandern hier aber ab, wenn das Wasser saisonal bedingt zu salzarm oder zu warm wird. In der Regel halten sich Dornhaie in Bodennähe (demersal) auf, können aber auch in der Wassersäule (pelagisch) und an der Oberfläche angetroffen werden. Es gibt wanderende, aber auch ortsgebundene Komponenten. Das Wanderverhalten und die zeitweise pelagische Lebensweise erschweren genaue Bestandsuntersuchungen.
Dornhaie stehen weit oben im Nahrungsnetz; sie fressen was zur Verfügung steht (opportunistische Ernährung). Die Nahrung besteht vor allem aus Knochenfischen wie Hering, Sardinen, Makrelen, Kabeljau und verschiedenen Plattfischen, aber auch Wirbellose wie Tintenfische, Borstenwürmer, Krebse, Seegurken und Quallen werden gefressen. [2] [100] [170] [175] [176] [179] [181] [229]

Kennzahlen

  • Maxima:
    S. acanthias Länge: bis 160 cm, Alter: bis 75 Jahre, Masse: bis 9,1 kg; S. suckleyi Länge: bis 130 cm [229]
  • IUCN-Status Gesamtbewertung S. acanthias: gefährdet (VU):
    Teilpopulationen: austral-asiatisch & südl Afrika: nicht gefährdet (LC), Nordostatlantik: vom Aussterben bedroht (CR), Nordwestatlantik: stark gefährdet (EN) S. suckleyi: nicht gefährdet (LC) [384] (Zugriff 15. Nov. 2016)
    CITES-Status:
    nicht gelistet [3]
    OSPAR-Status:
    S. acanthias gelistet, alle Regionen [134]
  • Widerstandsfähigkeit (resilience):
    beide Arten sehr niedrig (Verdoppelung der Population dauert mehr als 14 Jahre) [229]
  • Fruchtbarkeit (fecundity):
    S. acanthias niedrig, lebendgebärend (ovovivipar), Tragzeit 18-24 Monate (1-20 Jungtiere pro Weibchen) [2] [229]
  • Trophische Ebene:
    beide Arten 4,4 ± 0,4 (Standardfehler) [229]

Verbreitung

Dornhaie sind weltweit in temperierten und borealen Meeresgebieten verbreitet. Man findet sie daher in weiten Bereichen des Atlantiks und des Pazifiks. Sie leben auf dem Kontinentalschelf und in den oberen Bereichen der Kontinentalabhänge bis zu Tiefen von 900 m, meist aber in flacheren Gebieten. Das Verbreitungsgebiet des gewöhnlichen Dornhais (Squalus acanthias) umfasst den Westatlantik von Grönland und Labrador (Kanada) bis Florida und Kuba sowie Uruguay und Argentinien, wobei er zwischen Nova Scotia (Kanada) und Cape Hatteras (USA) besonders häufig vorkommt; außerdem den Ostatlantik von Island bzw. Russland bis Marokko einschließlich Nordsee und westliche Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer sowie die südliche afrikanische Küste. Im Südpazifik ist er um Australien und Neuseeland, sowie vor Südamerika (Peru und Chile) verbreitet.
Im Nordpazifik ist gefleckte Dornhai (Squalus suckleyi) zu finden. Er ist im Westen von Korea und Japan bis nach Russland, im Beringmeer und im Osten von den Aleuten bis nach Südkalifornien bzw. Mexiko verbreitet. [100] [170] [229]

Aussehen

Dornhaie besitzen einen lang gestreckten, schlanken Körper und eine kurze spitze Schnauze. Die Körperoberseite ist grau oder blaugrau gefärbt und kann eine unregelmäßige Anordnung weißer Flecken auf den Seiten aufweisen. Die Bauchseite ist heller, bis hin zu weiß. Die erste Rückenflosse ist grösser als die zweite und vor beiden sitzt ein kräftiger Stachel. Sie besitzen keine Analflosse. [2] [100] [229]

Wirtschaftliche Bedeutung

Squalus acanthias und S. suckleyi sind die wahrscheinlich häufigsten Haiarten und die einzigen mit einer fischereiwirtschaftlichen Bedeutung, die an die kommerziell genutzter Knochenfische herankommt. Es kam in der Vergangenheit häufig zur Übernutzung, aber die enorme Häufigkeit schützte die Bestände bisher vor dem Verschwinden. Die gezielte Fischerei wird vorher aus ökonomischen Gründen beendet. Es gibt weltweit noch einige Fischereien auf Dornhai, die Übernutzung und veränderte Nachfrage haben aber zur Abnahme vor allem der gezielten Dornhai-Fischereien geführt. In einigen Gebieten richtet Dornhai in der Fischerei wirtschaftlichen Schaden durch das Zerstören von Fanggerät und das Anfressen von Fängen an. [100] [175] [179]

Produktarten

In Deutschland sind besonders die geräucherten Bauchlappen als Schillerlocken beliebt, und in Gelee mariniert kommt das Fleisch als Seeaal in den Handel. Im Vereinigten Königreich ist Dornhai als „rock salmon“ bekannt und wird teilweise für die bekannten „Fisch und Chips“ verwendet. Dornhai wird frisch, gefroren, getrocknet und gesalzen und geräuchert angeboten. Darüber hinaus werden Vitaminprodukte, Tiernahrung, Leder und Düngemittel aus Dornhai hergestellt. [2] [14] [100] [229]

Bestandsübersicht Dornhai (2 Arten)

Marktdaten

2015 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 318 t (2014: 167 t), Marktanteil: 0,03% (2014: 0,02%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Golf v. Alaska (NOP: Kanada, NOP: Alaska) 2,0 - ? ? (small) ? (small) nach Vorsorgeansatz 05/2012 - 12/2012
Kalifornienstrom (NOP: USA) - 1,2 ? ?+ (small) ? (small) nach Vorsorgeansatz 05/2012 - 12/2012
Neuf.-Labr. (NWA: Kanada) 0,1 - ? ? (small) ? (small) 04/2016 - 04/2017
Neuseeland 6,3 - ? ? (small) ? (small) 06/2015 - 06/2016
Nordostatlantik 0,3 - 296,1 – (small) + (small) keine gezielte Fischerei 10/2016 - 10/2018
Strait of Georgia (NOP: Kanada) 0,3 - ? ? (small) ? (small) nach Vorsorgeansatz 05/2012 - 12/2012
US-Schelf (NWA: USA) 10,7 16,5 139,0 + (small) + (small) Mgmt.plan seit 2000/2003 10/2015 - 09/2016

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Dornhai (2 Arten)

  Autor Jahr Titel Quelle
[2] Muus BJ, Nielsen JG 1999 Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3] CITES Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and III cites.org
[13] Statistisches Bundesamt Statistisches Bundesamt, Ref. 522
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[100] Food and Agriculture Organization (FAO) 2010 FAO. © 2010. FAO FishFinder, the Species Identification and Data Programme. FAO FishFinder. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 6 April 2010. fao.org
[134] OSPAR Commission 2010 OSPAR List of Threatened and/or Declining Species and Habitats (Reference Number: 2008-6) ospar.org
[170] Ebert DA, White WT, Goldman KJ, Compagno LJV, Daly-Engel TS, Ward R 2010 Resurrection and redescription of Squalus suckleyi (Girard, 1854) from the North Pacific, with comments on the Squalus acanthias subgroup (Squaliformes: Squalidae) Zootaxa 2612:22-40
[175] Compagno LJV 1984 FAO Species Catalogue. Vol. 4. Sharks of the world. An annotated and illustrated catalogue of shark species known to date. Part 1 Hexanchiformes to Lamniformes. FAO Fish. Synop. 125 (4/1):1-249
[176] Heessen HJL, Daan N 1996 Long-term trends in ten non-target North Sea fish species ICES J. Mar. Sci. 53: 1063–1078
[179] Anonymus 2009 CITES Proposal: Inclusion of Squalus acanthias Linnaeus, 1758 in Appendix II in accordance with Article II 2(a) and (b). Fifteenth meeting of the Conference of the Parties, Doha (Qatar), 13-25 March 2010 CITES.org
[181] Food and Agriculture Organization (FAO) 2007 Report of the Second FAO ad hoc Advisory Panel for the assessment of proposals to amend Appendices I and II of CITES concerning commercially-exploited aquatic species. Rome, 26–30 March 2007. FAO Fisheries Report No. 833. FIMF/R833
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384] IUCN IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012 iucnredlist.org