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Fischbestände
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Sandaal

gültig 02/2015-02/2016

Umriss der Fischart Ammodytes spp./Hyperoplus spp.

Biologische Charakteristika

Trotz ihres Namens gehören Sandaale nicht zu den Aalen. Der deutsche Name beschreibt ihre aalähnliche längliche Körperform und ihre Lebensweise: Sie sind teilweise im Sand eingegraben. Die Familie der Sandaale (Ammodytidae) umfasst verschiedene Gattungen mit insgesamt 18 Arten. In diesem Datenblatt werden vier Arten aus zwei Gattungen behandelt, die eine wichtige Rolle in der Industriefischerei im Nordostatlantik spielen: Der Kleine Sandaal (Ammodytes marinus), der Tobiasfisch (A. tobianus), der Gefleckte große Sandaal (Hyperoplus lanceolatus) und der Ungefleckte große Sandaal (H. immaculatus). Sandaale sind kleine, kurzlebige Schwarmfische mit einem hohen Fettgehalt. Dadurch sind sie ein qualitativ hochwertiges und wichtiges Futter für viele räuberische Fische, Seevögel und Meeressäuger. Viele Seevogelarten hängen stark von diesen Beutefischen ab, besonders im Sommer, wenn der Kleine Sandaal (A. marinus) tagsüber viel Zeit zum Fressen in der Wassersäule verbringt und nur nachts eingegraben im Sand lebt. Zu anderen Jahreszeiten verbringen sie den größten Teil der Zeit vergraben im Sand und sind für viele Räuber unerreichbar (z.B. für Seevögel, die an der Wasseroberfläche jagen). Andere Räuber wie verschiedene Fische, Seehunde und tauchende Vögel sind hingegen in der Lage, die Fische auszugraben. Die Aktivitätszeit der Kleinen Sandaale liegt in Perioden mit hoher Gezeitenströmung. Dann verlassen sie ihre Verstecke im Sandboden, und formieren sich zu gewaltigen Schwärmen. Sandaal geht nach der Larvenphase im Freiwasser zum Bodenleben über und ist dort sehr ortsgebunden. Der Kleine Sandaal und der Tobiasfisch ernähren sich von Zooplankton. Die Larven und bis etwa 10-15 cm langen Tiere der Großen Sandaale fressen ebenfalls Plankton, größere Tiere ernähren sich auch von anderen Fischen (kleine Heringe, Sandaale). [2] [229]

Kennzahlen

  • Maxima:
    Länge (cm): A. marinus 25, A. tobianus 20, H. lanceolatus 40, H. immaculatus 35; Alter (Jahre): A. marinus 10, A. tobianus 7, H. lanceolatus, H. immaculatus k.A.; Masse bis (kg): k.A [229]
  • IUCN:
    A. marinus, H. immaculatus nicht bewertet (NE), A. tobianus keine ausreichenden Daten (DD), H. lanceolatus nicht gefährdet (LC) [384] (Zugriff am 30. März 2015)
    CITES:
    nicht gelistet [3]
  • Widerstandsfähigkeit (resilience):
    A. marinus, H. lanceolatus, H. immaculatus mittel (min. Populationsverdopplungszeit 1,4-4,4 Jahre), A. tobianus hoch (Verdopplung der Population dauert weniger als 15 Monate) [229]
  • Fruchtbarkeit (fecundity):
    A. marinus 3.800-22.000 Eier pro Weibchen, H. lanceolatus bis zu 35.000 Eier pro Weibchen, andere k.A. [2] [229]
  • Trophische Ebene:
    A. marinus 2,7 ± 0,30, A. tobianus 3,1 ± 0,1, H. lanceolatus 4,0 ± 0,1, H. immaculatus 4,4 ± 0,77 (Standardfehler) [229]

Verbreitung

Die hier behandelten Sandaal-Arten sind im Nordostatlantik verbreitet. Der Kleine Sandaal (Ammodytes marinus) kommt von 74°N (Novaja Semlja und Bäreninsel) bis 49°N (Kanalinseln und westlicher Ärmelkanal) vor. Diese Verbreitung schließt auch Grönland, Island, das Barentsmeer (ohne Weißes Meer), die gesamte Nordsee (hier die häufigste Sandaal-Art) und die Ostsee mit ein, hier allerdings nicht bis in die östlichsten Bereiche (Bottnischer und Finnischer Meerbusen). Die Verbreitung des Tobiasfisches (A. tobianus) reicht von Murmansk über Island, Nord- und Ostsee (ohne die östlichsten Bereiche) bis nach Spanien und Portugal und schließt auch das Mittelmeer mit ein. Der Gefleckte große Sandaal (Hyperoplus lanceolatus) zeigt eine Verbreitung wie der Tobiasfisch, allerdings ohne das Mittelmeer. Die Verbreitung des Ungefleckten großen Sandaals (H. immaculatus) ist etwas begrenzter, er kommt um die Britischen Inseln, im Ärmelkanal und bis in die nördliche Biskaya vor. [2] [229]

Aussehen

Sandaale sind langestreckte, schlanke Fische mit spitzer Schnauze und vorstehendem Unterkiefer. Ihre Rückenflosse erstreckt sich durchgehend fast über die gesamte Körperlänge, die Analflosse ist etwa halb so lang. Der Rücken ist bräunlich oder bläulich schimmernd, die Bauchseite silbrig-weiß. Die verschiedenen Arten unterscheiden sich etwas in der maximalen Länge (siehe Kennzahlen). Fast alle Arten besitzen einen weit vorstreckbaren (protaktilen) Zwischenkiefer, nur bei den Hyperoplus-Arten (Großer Sandaal) ist der Oberkiefer nicht ausstülpbar. Die Kiefer sind unbezahnt, die beiden Hyperoplus-Arten besitzen aber zwei spitze Zähne auf dem Gaumen. H. lanceolatus hat auf beiden Seiten der Schnauze einen dunklen Fleck (Gefleckter großer Sandaal), der bei H. immaculatus fehlt (Ungefleckter großer Sandaal). Sandaale besitzen keine Schwimmblase. [2] [229]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Sandaalfischerei war viele Jahre die nach Menge größte Nordseefischerei überhaupt. 1983 bis 2002 wurden jährlich 0,6 bis über 1 Mio t von der europäischen Flotte gefischt. Seit 2002 liegen die jährlichen Fänge nur noch zwischen 100.000 und 400.000 t. Den größten Anteil der Sandaalfänge in der Nordsee tätigt derzeit Dänemark, gefolgt von Norwegen. Auch Deutschland ist in der Industriefischerei auf Sandaal aktiv. Als häufigste Sandaal-Art in der Nordsee macht der Kleine Sandaal den größten Anteil in der Industriefischerei aus. Großer und Kleiner Sandaal werden gemeinsam gefangen. Die Anlandungen erfolgen meist unsortiert und ungekühlt, aber mit viel Seewasser vermischt. In Perioden der Knappheit wichtiger anderer Industriefische wie der peruanischen Sardelle (z.B. bei El Niño) können die europäischen Industriefischfänge im Wert deutlich steigen. [2] [14] [229] [806]

Produktarten

Sandaal gehört zu den sogenannten Industriefischen, die nicht für den direkten menschlichen Konsum genutzt werden. Sie werden zu Fischmehl und -öl verarbeitet, aus welchem u.a. Tierfutter z.B. für die Aquakultur (z.B. Lachsfarmen) hergestellt wird. Die Anlandung und Verarbeitung erfolgt in nur wenigen europäischen Häfen (z.B. Esbjerg/DK). Sandaale werden außerdem als Köderfische verwendet. Der Große Sandaal geht selten auch direkt in den menschlichen Verzehr (Frischfisch, gebraten). [2] [14] [229]

Bestandsübersicht Sandaal

Marktdaten

Sandaal kommt kaum als Fisch für den menschlichen Konsum in den Handel, sondern wird zu Fischmehl und-öl weiterverarbeitet. Es gibt daher keine Informationen über den Verbrauch in Deutschland. [2] [14] [229] [806]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Doggerbank (SA1) 95,7 95,7 178,7 – (small) ? (small) 02/2015 - 02/2016
Nordsee nördl. & zentral (SA3) 153,7 153,7 202,1 + (small) ? (small) 02/2015 - 02/2016
Nordsee zentral & südl. (SA2) 8,7 8,7 91,5 – (small) ? (small) 02/2015 - 02/2016

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Sandaal

  Autor Jahr Titel Quelle
[2] Muus BJ, Nielsen JG 1999 Die Meeresfische Europas Franckh-Kosmos Verlag
[3] CITES Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, Appendices I, II and III cites.org
[14] FIZ e.V. Fisch-Informationszentrum e.V. fischinfo.de
[229] Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2011 FishBase. World Wide Web electronic publication.
www.fishbase.org, version (06/2011).
fishbase
[384] IUCN IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2. Downloaded on 09 February 2012 iucnredlist.org
[806] ICES 2015 Report of the Herring Assessment Working Group for the Area South of 62ºN (HAWG), 11 Sandeel in IV and IIIa (HAWG Feb. 2015). ices.dk